Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.04.2015


Prostitution

Straßenstrich in Tirol: Freier bald nicht mehr straffrei

Land und Polizei wollen die Prostitutionsgesetze verschärfen. Die entnervten Straßenstrich-Anrainer wird’s freuen.

(Symbolfoto)

© APA/Helmut Fohringer(Symbolfoto)



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Den Mitterweg-Anrainern reicht’s: „Der Straßenstrich, der sich in unserer Wohngegend etabliert hat, muss weg“, sagt etwa ein Familienvater: „Wir wohnen im Parterre und hören Nacht für Nacht das Klappern der Stöckelschuhe und den Stopp-and-Go-Verkehr, der durch die Freier verursacht wird.“ Die ersten Anrainer „haben bereits ihre Wohnungen aufgegeben, die Immobilienpreise sind im Sinkflug“, so ein weiterer Mitterweg-Bewohner. Der Grundtenor der Rotlicht-geplagten Innsbrucker: Polizei und Politik tun wenig bis gar nichts.

Offenbar ein Irrtum – der Mitterweg ist inzwischen sowohl im Landhaus als auch in der Landespolizeidirektion Chefsache. So fordert Tirols Polizeichef Helmut Tomac bereits seit Längerem, künftig auch die Freier zu bestrafen. Der Hintergedanke: Für Abschreckung sollen nicht nur die Geldbuße, sondern auch der Behördenbrief sorgen, der in die falschen (ehelichen) Hände geraten kann. Dass die illegale Prostitution als Dauerdelikt gewertet wird, hat offenbar ebenfalls ein Ablaufdatum. „Derzeit ist es so, dass angezeigte Prostituierte bis zur Rechtskraft des Strafbescheides straffrei sind. Wir sprechen da von etwa zwei bis drei Wochen“, erläutert Tomac.

Ebenfalls auf der Wunschliste der Polizei steht ein verschärfter Bordellbegriff. „Wir wollen die Vermieter von Wohnungen, die zur Prostitutionsausübung genutzt werden, stärker in die Verantwortung nehmen“, erläutert der Landespolizeidirektor.

Landeshauptmann Günther Platter sieht das ähnlich: „Derzeit werden die finalen Gespräche für eine Novelle des Landespolizeigesetzes geführt. Vorgesehen ist, dass Freier künftig bestraft werden.“

Stichwort Wohnungen – ein Mitterweg-Anrainer wundert sich, warum die Polizei die Apartments der Prostituierten nicht regelmäßig schließt und versiegelt: „Das wäre ja auch nach dem derzeitigen Landespolizeigesetz durchaus möglich.“ Aber praktisch kaum durchführbar, sagen Polizeibeamte. Der Aufwand, Prostitution in einer Wohnung tatsächlich nachzuweisen, sei immens. Jedenfalls deutlich größer, als die Damen wegen Anbahnung der Prostitution anzuzeigen.