Letztes Update am Sa, 18.04.2015 07:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

59-jähriger Tiroler im Schrebergarten erschlagen

Beim Toten, der am Donnerstag in einem Arzler Schrebergarten entdeckt wurde, handelt es sich um den vermissten Innsbrucker. Todesursache waren mehrere Schläge.

Der Schrebergarten, in dem die Leiche entdeckt worden war, wurde am Donnerstag vor Schaulustigen abgeschirmt.

© ZOOM-TirolDer Schrebergarten, in dem die Leiche entdeckt worden war, wurde am Donnerstag vor Schaulustigen abgeschirmt.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Jetzt ist es amtlich: Beim Toten, der am Donnerstag in einem Arzler Schrebergarten gefunden wurde, handelt es sich um Helmut Herburger. Um jenen 59-jährigen Innsbrucker, der vor drei Wochen spurlos verschwand. Die Gerichtsmediziner bestätigen nach der Obduktion am Donnerstagabend auch, was der Sohn und die Kriminalbeamten ohnehin schon befürchtet hatten: Herburger starb nicht eines natürlichen Todes – der Innsbrucker wurde erschlagen. „Vermutlich mit einem stumpfen Gegenstand“, sagt Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes: „Der Mann starb durch mehrere Schläge auf den Kopf. Die Tatwaffe ist noch unbekannt.“

Auf der Suche nach dieser Waffe durchkämmten am Freitag mehrere Polizeibeamte den 2000 Quadratmeter großen Schrebergarten des Opfers. Ohne Erfolg.

Die Polizei fahndet nach diesem Mann namens Agostino Heinrich Kessler.
Die Polizei fahndet nach diesem Mann namens Agostino Heinrich Kessler.
- LKA Tirol

Nach wie vor gesucht wird auch Agostino Heinrich Kessler. Mittlerweile europaweit – nach dem Fund von Herburgers Leiche hat das Gericht den zunächst nur in Österreich bestehenden Haftbefehl gegen den deutschstämmigen Italiener ausgeweitet.

Der 44-Jährige lebte und arbeitete zuletzt im Raum Bozen. „Wann er nach Innsbruck kam und woher sich Herburger und Kessler kannten, wissen wir nicht“, sagt Pupp. Auch der Sohn des Opfers kann nicht weiterhelfen: „Ich kenne den Mann nicht.“

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Fest steht, dass der 59-Jährige und sein Bekannter zuletzt häufig in verschiedenen Innsbrucker Lokalen unterwegs waren. Herburger stellte dem 44-Jährigen auch eine Unterkunft zu Verfügung – seine Schrebergartenhütte in Arzl. „Wie lange Kessler dort wohnte, ist unklar“, erklärt Pupp. Jedenfalls mehrere Tage – ein Anrainer erinnert sich gut an den weißen Opel Corsa mit italienischem Kennzeichen, der vor dem Schrebergarten abgestellt war.

Ende März feierte Herburger mit ein paar Freunden im Schrebergarten. Kessler war auch dabei. Nachdem sich die Runde aufgelöst hatte, kam es vermutlich zu einer fatalen Auseinandersetzung im Schrebergarten.

Bereits am 27. März vermisste der Sohn seinen Vater, einen Tag später meldete er die Abgängigkeit der Polizei. Am 30. März tauchte der Border Collie Herburgers am Kirchbichler Innufer auf.

Auch Kessler ist seit Ende März wie vom Erdboden verschluckt. Schon bald suchte die Tiroler Polizei nach dem 44-Jährigen. Der Südtiroler galt zunächst als Zeuge, von ihm erhofften sich die Ermittler Aufschlüsse über den Verbleib von Herburger. Allerdings blieben die Fragen unbeantwortet und Kessler unauffindbar. Nach mehreren Aufrufen in den Medien war klar: Der gebürtige Bayer ist untergetaucht. So kam es, dass gegen den Mann ohne konkreten Hinweis auf ein Verbrechen ein Haftbefehl ausgestellt wurde.

Einen mehr als konkreten Hinweis lieferte dann am Donnerstag ausgerechnet ein TV-Team. Bei einem Interview mit dem Sohn des Vermissten in dessen Schrebergarten sah ein Kameramann des Senders ATV eine blaue Decke, unter der ein blutiges Haarbüschel hervorragte. Damit war Herburgers Schicksal geklärt – unter der Decke befand sich seine Leiche.

Wo sich Agostino Kessler derzeit aufhält, ist offen. Der Bayer könnte sich in seine alte Heimat abgesetzt haben. Ein vager Hinweis ist Herburgers Hund, der nahe der deutschen Grenze gefunden wurde. Die Theorie: Kessler hat das Tier nach der Gewalttat mitgenommen und dann bei Kirchbichl ausgesetzt, damit der Collie den im Laub versteckten Toten nicht ausgräbt.