Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.04.2017


Außerfern

Hickhack am Fernpass: „Wir wurden auch nicht gefragt“

Diskurs um einen sinnvollen Aus- oder Nichtausbau der Fernpassstrecke geht weiter.

© TscholFernpass-Bundesstraße (Symbolfoto)



Reutte – Der Lermooser Gemeinderat hat sich kürzlich gegen jeden weiteren Tunnelbau entlang der Fernpassstrecke ausgesprochen. Ein Großtunnel würde noch mehr Verkehr samt Lkw anziehen, der „kleine“ Scheiteltunnel die 7,5-to-Tonnagebeschränkung unnötig gefährden und nur unter der Woche Entlastung bringen (die TT berichtete). Das rief die Lermooser Abgeordnete Maria Zwölfer auf den Plan, die am liebsten die ganz großen Bagger auffahren lassen würde. Für sie ist die Meinung der Gemeinderäte eine Illusion, nämlich zu glauben, mit „Nichtstun und Nichthandeln“ könne der Verkehr aufgehalten werden. Das Tonnagelimit sei eh schon ausgehöhlt.

Diese Behauptungen wollten nun Bezirksparteivorsitzende BR Sonja Ledl-Rossmann und NR Elisabeth Pfurtscheller (beide VP) nicht im Raum stehen lassen: „Während Impuls und FPÖ nach wie vor von großen Tunnellösungen und einer Autobahn träumen, obwohl diese das sofortige Fallen des 7,5-Tonnen-Limits nach sich ziehen würde und der Schwerverkehr freie Fahrt durchs Außerfern hätte, kommt für uns als realistische Lösung nur die Kombination von Fernpassscheitel- und Tschirganttunnel in Frage.“ Alle anderen diskutierten Varianten seien unehrlich, eine große Tunnellösung niemals finanzierbar.

Die beiden zeigen Verständnis dafür, dass sich die deutschen Nachbarn Sorgen hinsichtlich der Einführung des Dosiersystems machen, auch die nördlich von Reutte gelegenen Außerferner Gemeinden hätten bei Ausarbeitung der Fernpass-Strategie dahingehend Bedenken geäußert. Daher sei vereinbart, die Auswirkungen des Dosiersystems zu evaluieren. Sollte sich herausstellen, dass es zu maßgeblichem Ausweichverkehr kommt, werde darüber noch einmal diskutiert.

Auch die grüne Bezirkssprecherin Barbara Brejla widerspricht Zwölfer vehement. „Sie will anscheinend noch mehr Verkehr für den staugeplagten Bezirk Reutte und setzt sich als Sprachrohr für die Touristiker der Urlauberhochburgen im Tiroler Oberland und als Anwältin unserer deutschen Nachbarn ein, die an den Hauptanreisetagen den Verkehr im Bezirk zum Kollabieren bringen“, wundert sich Brejla. Die Grüne freut sich, „dass die Menschen in den Gemeinden jetzt nach und nach aufstehen und sich gegen diesen Wahnsinn aussprechen. Dürfen wir uns nicht wehren und den Verkehr zumindest dosieren, damit auch die Bürger des Zwischentorens atmen können? Wurden wir gefragt, als die A7 bis an unsere Grenze gebaut wurde?“, sagt Brejla. (hm)