Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.07.2017


Verkehr

Asfinag greift an Grenzen auf Handys zu

An Autobahn-Grenzübergängen wie Kufstein erfasst die Asfinag bereits Telefone und Navis, um Stauzeiten zu ermitteln. Ein Ausbau wird geprüft.

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© www.muehlanger.at



Von Nina Werlberger

Innsbruck, Wien – „Plus elf Minuten zur Normalreisezeit“, meldet die Tafel an der Autobahn bei der Grenze Kufstein-Kiefersfelden. Dass die Warte­zeit hier minutengenau auf der Infotafel steht, dafür sorgen die Autofahrer selbst: Sie erzählen dem heimischen Autobahnbetreiber Asfinag über ihre Handydaten ganz genau, wie lange sie für das Passieren der Grenze brauchen. Denn seit im Gefolge der Flüchtlingsbewegungen an mehreren Übergängen wieder kontrolliert wird, hat die Asfinag dort aufgerüstet. Seit rund zwei Jahren ermittelt die Asfinag die Länge der Grenzstaus, indem sie mit Bluetooth-Sensoren die Handys, Tablets und Navis der Autofahrer erfasst. „Wir haben das System an drei Schauplätzen im Einsatz: an der A12 bei Kufstein, am Walserberg und an der A8 in Suben“, erklärte Hartwig Hufnagl vom Verkehrsmanagement der Asfinag im TT-Gespräch.

An der Autobahn bei Kufstein in Richtung Deutschland etwa gibt es drei Sensoren zur Erfassung der Handys im Abstand von je 300 Metern. Kommt ein Gerät daran vorbei, bei dem die Bluetooth-Funktion aktiviert ist, wird die so genannte MAC-Adresse erfasst. Das ist die Hardware-Adresse des Geräts, mit der es eindeutig identifiziert werden kann. Vereinfacht ausgedrückt wird einem Handy dann eine Nummer zugewiesen. Kommt diese Nummer am nächsten Sensor vorbei, wird sie erneut erfasst und schließlich gelöscht. Aus diesen Infos wird die aktuelle Wartezeit errechnet und an die Infotafeln und die Asfinag-App übertragen.

In Sachen Datenschutz sieht Hufnagl hier keine Probleme: „Das ist völlig anonym.“ Handynummer oder Daten vom Telefon würden keine verwendet. Auch werde das System ausschließlich von der Asfinag genützt, um die Länge von Staus zu ermitteln – die Infos werden nicht an Radiostationen oder die Polizei weitergegeben. Letztere könnte damit auch gar nichts anfangen, bemerkte Hufnagl. „Es ist alles anonymisiert. Kriminaltechnisch hat das keinen Sinn.“

Viel effizienter als klassisches Ablesen von Nummerntafeln ist das neue Bluetooth-System übrigens nicht. „Vorteile gibt es nicht, es ist eine andere Technologie. Es ist in etwa so, als ob man Airbus oder Boeing fliegt“, erklärte Hufnagl.

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Zu den weiteren Ausbauplänen (siehe Artikel links) äußerte sich Hufnagl zurückhaltend. Ein ähnliches System sei bereits beim Flughafen Wien-Schwechat im Einsatz. Weitere Einsatzorte seien derzeit Gegenstand von strategischen Beratungen. „Auszahlen“ würde sich die Handy-Staumessung aber etwa rund um Stadien oder bei anderen neuralgischen Punkten. Zum Einsatz auf längeren Autobahnabschnitten eigne es sich hingegen weniger, meinte Hufnagl.