Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.08.2017


Verkehr

ICE-Zugabbau trifft Tirol

Touristiker und Bürgermeister sind nicht erfreut: Im Fernverkehr wird künftig der Halt im Karwendel und in Innsbruck entfallen.

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Von Liane Pircher

Innsbruck, Seefeld – In Zeiten des Klimawandels ist Zugfahren ein Thema. Bei Politikern, bei Reisenden. Umso verwunderlicher ist es für viele, dass ab Dezember die über Garmisch-Partenkirchen hinausgehenden Stopps ins Karwendel via Mittenwald – Seefeld – Innsbruck und damit in Tirol Geschichte sein werden. Das heißt, es wird die umsteigefreie ICE-Verbindung Berlin – München – Seefeld – Innsbruck entfallen. Das erscheint widersinnig, weil gleichzeitig die Neubaustrecke Berlin – München den Betrieb aufnimmt und Berlin damit viel näher an Innsbruck/Seefeld rückt.

Der Grund dafür ist: Geld. Mit der Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke zwischen München und Berlin (VDE8) beginnt zwar noch heuer eine neue Ära der Bahnreise, man müsse aber im Fernverkehr eigenwirtschaftlich denken, und da „ist man auf eine gute Auslastung angewiesen. Das ist jedoch gerade auf peripheren Strecken nicht immer der Fall“, erklärt eine Pressesprecherin der Deutschen Bahn. Die bisherige Direktverbindung des ICE-Zuges nach Seefeld/Innsbruck müsse auch wegen eines veränderten Fahrzeugumlaufes geändert werden. Nicht nur Mittenwalds Bürgermeister kann das nicht verstehen – ein Protestschreiben an die Deutsche Bahn wurde bereits verschickt. Ähnlich kritisch sieht es Seefelds Bürgermeister Werner Frießer: „Wir stellen diese Änderung mit großem Bedauern fest und sind darüber natürlich nicht begeistert. Zu verstehen ist es nicht, weil mit dieser Verbindung die Anreise von Berlin genial war. Gerade städtisches Publikum reist oft lieber mit der Bahn als im Auto an.“ Vor allem hinsichtlich künftiger Entwicklungen im Mobilitätsverhalten findet der Bürgermeister „es sehr schade“, was die Deutsche Bahn hier plant. Informiert worden sei man diesbezüglich nicht, so Frießer.

Seitens der Deutschen Bahn weist man darauf hin, dass künftig zwar umgestiegen werden müsse, aber dennoch alle vom neuen deutschen Hochgeschwindigkeitsnetz profitieren würden. Künftig würden Reisende von München bis Berlin in weniger als vier Stunden reisen. Attraktiv würden die Verbindungen in jedem Fall sein. Die täglich im Stundentakt angebotenen Umsteigeverbindungen von Berlin/Leipzig/Erfurt nach Garmisch-Partenkirchen werden eineinhalb Stunden schneller werden, so die Bahnsprecherin.




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