Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Bezirk Landeck

Mit Begegnungszone gegen den Schwerverkehr in Prutz

Prutz will im Zentrum eine Begegnungszone ausweisen. Der Ort stöhnt unter der Verkehrsbelastung. Betroffen wäre der Verkehr ins Kaunertal.



Von Matthias Reichle

Prutz – Derzeit wartet der Prutzer Bürgermeister Heinz Kofler noch auf die Auswertung der Verkehrszählung. Die Landesstraßenverwaltung hat im Prutzer Dorfkern einen Tag lang alle Verkehrsströme gemessen – nicht nur Pkw und Lkw, auch Radfahrer und Fußgänger. Es sind Vorarbeiten für eine Idee im Gemeindeamt.

Man hofft, dass es gelingt, den Dorfkern als Begegnungszone auszuweisen. „Begegnungszone heißt, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind“, erklärt Kofler. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen Gehsteig und Fahrbahn. „Dann ist nicht mehr der Pkw das Maß aller Dinge“, betont der Dorfchef. Es würde Fußgängern und den vielen Kindern, die im Prutzer Dorfzentrum unterwegs sind, mehr Rechte geben.

Begegnungszonen gibt es inzwischen in mehreren Oberländer Gemeinden – Vorreiter ist Serfaus. In Prutz ist die Situation aber speziell. Erstmals würde nämlich eine Landesstraße als Begegnungszone ausgewiesen. „Eine Herausforderung“, wie auch der Verkehrsreferent der BH Landeck, Siggi Geiger, betont. Der gesamte Verkehr ins Kaunertal in die Gemeinden Faggen, Kauns Fendels und Kaunerberg würde durch diesen Bereich rollen.

„Wir stehen der Sache offen gegenüber“, betont Robert Zach von der Landesstraßenverwaltung auf Anfrage der TT, „wenn die Voraussetzungen passen, sind wir sicher nicht abgeneigt.“ Eine von diesen ist, dass der Durchflussverkehr gleich groß ist wie der Querungsverkehr, erklärt er. Dazu wurden nun auch die Verkehrszählungen durchgeführt. Zach betont aber auch, dass eine Durchflussstraße grundsätzlich gegen eine Begegnungszone spreche – und letztlich ist die Kaunertaler Straße eine solche.

Geplant wären die verkehrsberuhigenden Maßnahmen übrigens vom alten Greifhaus bis zur Obergasse, sowie von der Dorfstraße bis zurück zum Parkplatz hinter dem Raika-Gebäude, so Kofler. Es ist nicht der erste Vorstoß von Prutzer Seite aus, um für eine Verkehrsberuhigung im Dorfkern zu sorgen. Vor fünf Jahren gab es einen Anlauf, den Schwerverkehr überhaupt aus dem Ortskern zu verbannen. Kofler kritisiert dabei auch den fehlenden politischen Willen, etwas zu ändern. Bisher war immer die „Flüssigkeit“ des Verkehrs ein Argument dagegen.

„Man will den Verkehr nicht aussperren“, betont er zum Plan einer Begegnungszone. Aber man hofft, dass der ein oder andere Schwertransporter künftig die ehemalige Tiwag-Baustellenstraße nimmt, um das Zentrum von Prutz zu umfahren.

Die Gemeinde hat übrigens bereits von sich aus einen Begegnungszonen-Check in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war positiv, nur sei nach wie vor der Pkw-Verkehr der Hauptverkehr durch Prutz. Weitere Ergebnisse werden die Verkehrszählungen bringen.