Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.10.2017


Verkehr

Kompromiss für Tempobremse

Die Debatte um die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Stanzer Landesstraße endet mit einem Kompromiss. Tempo 40 gilt nur an Schultagen. Anrainer sind nicht zufrieden.

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© Reichle



Von Matthias Reichle

Stanz, Landeck – Es war eine kurzfristige Aktion – „trotzdem haben rund 150 unterschrieben, alles Stanzer und ein Landecker“, erinnert der Stanzer Dorfchef Martin Auer an die Proteste vor einem Monat. In der kleinen Gemeinde gingen die Wogen hoch, als auf einem 300 Meter langen Teilstück der Stanzer Landesstraße (L253) im Bereich der Landecker Prantauersiedlung eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingerichtet werden sollte. Betroffen waren die zahlreichen Stanzer Auspendler, die auf der Strecke unterwegs sind. Statt eines 50ers sollte in diesem Bereich nun ein 40er gelten. Die Stanzer sprachen sich in einer Stellungnahme zum Verordnungsverfahren dagegen aus. Man kritisierte nicht zuletzt, dass man von den Landeckern vor „vollendete Tatsachen gestellt wurde“.

Die Proteste haben gefruchtet. Von einem „Kompromiss“ spricht Auer – „ich will nicht beurteilen, ob gut oder schlecht“. Dass die Stanzer gehört wurden, weiß er aber zu schätzen. „Die Behörde hat gut reagiert, das war in Ordnung.“

Der Kompromiss sieht eine temporäre Tempobremse vor. Der 40er gilt nunmehr an Schultagen von 7 bis 17 Uhr.

In diesem Bereich gibt es zwei Bildungseinrichtungen: die Polytechnische Schule und die Volksschule Bruggen. Letztere wurde während des Umbaus um mehrere Klassen der Volksschule Angedair ergänzt.

Eine Bürgerinitiative setzte sich deshalb für eine Reduzierung der Geschwindigkeit ein. Anrainer berichteten von Autos, die viel zu schnell unterwegs sind, und gefährlichen Situationen. Im Kreis der Befürworter ist man „mit der Lösung nicht zufrieden“, wie Anrainer Rainer Pinzger betont. Für ihn ist die zeitliche Begrenzung zu kompliziert. „Die Leute müssen nachdenken: Ist heute Schule? Und was ist nach den Sommerferien?“, spricht er ein Problem an. Die Autofahrer könnten dann schlicht auf den 40er vergessen haben. „Auch kommen auch nach 17 Uhr noch Schulkinder mit dem Schulbus an.“

Für die Schulen sei es eine gute Lösung, für die Anrainer ist sie fragwürdig. „Ich hoffe, dass außerhalb der Zeiten nichts passiert.“ Er wünscht sich außerdem, dass die Bezirkshauptmannschaft noch eine bessere Lösung verordnet. „Was macht es, wenn einer auf 300 Metern zehn km/h langsamer fährt.“ Inzwischen merkt er aber, dass das Bewusstsein der Autofahrer für die Gefahren in diesem Bereich zunimmt.

Von einer „typisch österreichischen Lösung“ spricht auch der Landecker Bürgermeister Wolfgang Jörg. Auch bringe die Verordnung nichts, wenn sie nicht überwacht wird, betont er. Zusätzlich werden derzeit punktuell Verbesserungen in der Infrastruktur, bei Gehsteigen und Busbuchten, vorgenommen. Diese werden auch von den Anrainern sehr begrüßt, wie Pinzger betont, der sich dafür bei der Stadt bedanken will.

Demnächst könnte es übrigens ein weiteres Fahrverbot auf der Stanzer Straße geben. Diesmal jedoch ein von den Stanzern gefordertes. „Wir möchten ein Hängerfahrverbot“, sagt Bürgermeister Auer.

Der Grund sind die vielen Sattelschlepper, die sich auf dem Weg ins Stanzertal hinauf verirren. „Heuer waren es schon sieben“, präzisiert der Dorfchef. Ihre Ausrede sei dabei immer das GPS. „Das sind billige Navigationsgeräte, die nicht unterscheiden können, dass der Perjentunnel 300 Meter unter Stanz liegt.“




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