Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.10.2017


Bezirk Reutte

Kampf gegen die Lärmhölle Lechtal

350 Messungen an sieben Orten ergaben Überschreitungen von bis zu 220 Prozent des erlaubten Wertes.

© Mittermayr HelmutHoffen auf eine drastische Reduzierung des Verkehrslärms im Lechtal und Tannheimer Tal: Fritz Gurgiser, Josef Walch, Maria Scheiber, Günther Ihrenberger und Reinhard Oberlohr (v. l.).Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Der Lechweg ist touristisches Aushängeschild des gesamten Lechtals. Aber so mancher Wanderer rümpft längst die Nase angesichts des Verkehrslärms, der ihm im Naturpark zugemutet wird. Da hilft es auch nichts, weit oberhalb der Talsohle unterwegs zu sein, ein Motorrad mit frisierter Auspuffanlage holt jeden Naturliebhaber zurück in eine Welt ex machina. Während die Ausflügler weiterwandern, muss die Bevölkerung bleiben. Eine Gruppe aus dem Lechtal mit Namen IG „Xund’s Lechtl“ will den Lärmterror nicht weiter hinnehmen und hat an sieben verschiedenen Punkten in Elbigenalp, Elmen, Häselgehr, Stanzach und Weißenbach 350 Lärmpegelmessungen durchführen lassen – immer im Ortsgebiet bei erlaubten Geschwindigkeiten zwischen 30 und 80 Stundenkilometern. Die Ergebnisse sprechen für sich: Der gesetzlich erlaubte Grenzwert von 60 Dezibel wurden an allen Messpunkten dramatisch überschritten. In Elbigenalp um bis zu 170 Prozent, Elmen ebenfalls 170 Prozent, Stanzach mit dem Höchstwert von 220 Prozent (in der 30er-Zone beim Gasthaus Jamdo) und Weißenbach bis zu 200 Prozent.

Die Lechtaler Reinhard Oberlohr, Josef Walch, Günther Ihrenberger und Maria Scheiber haben sich mit Fritz Gurgiser vom Transitforum zusammengetan, um für ihr bevorstehendes Ringen mit den Behörden einen erfahrenen Mitstreiter zu haben. Gurgiser erklärte bei der Pressekonferenz in der Naturpark­ausstellung auf Ehrenberg: „Lärm geht ins Unterbewusstsein, er macht krank, das wissen nur immer noch zu wenige.“ Der Obmann des Transitforums sah sich vor einer schwierigen Aufgabe, „vielleicht der schwierigsten in meiner Laufbahn: Denn Lärmschutzwände wie jene entlang der Autobahn im Inntal fruchten hier nichts. In diesem engen Tal braucht es völlig neue Konzepte. Das ist wirklich Neuland.“

In kurzen Worten schilderten die Betroffenen ihre Erfahrungen. Der pensionierte Gymnasiallehrer Günther Ihrenberger aus Stanzach schilderte etwa, wie auf der Pleisspitze noch 1000 Meter über dem Talboden die Motorräder grell zu hören seien. Die ehemalige Abgeordnete der Grünen, Maria Scheiber aus Elmen, sah ein Recht auf Erholung der Einheimischen und „die Gäste werden auch nicht mehr zahlen, um sich diesen Krawall anzuhören“. Josef Walch (Häselgehr), der Leiter der Bezirksforstinspektion: „Es gibt in Bschlabs nur einen Ort der Stille. Ganz unten in der Schlucht. Und wehe du kommst herauf in den Ort, dann gibt es nur noch Lärm. Es wird immer schlimmer.“

Gurgiser sieht in Tempolimits reine Alibihandlungen: „Die sind ganz nett, aber sie bringen nichts, wie die Lärmüberschreitungen jetzt wieder klar gezeigt haben. Es braucht völlig neue Ansätze. Alle müssten zurückstecken.“ Und Lösungen müssten gemeinsam getragen werden. „Denn wir wollen keinen Konflikt ins Tal bringen.“ Erster Ansprechpartner sei die Behörde. Die Verantwortung liege bei jenen, die bestehende Gesetze national wie international umzusetzen hätten. Aber natürlich seien auch das Baubezirksamt, die Polizei, der Tourismus und viele mehr einzubinden. Alle müssten an einem Strang ziehen.

IG-„Xund’s Lechtl“-Gründer Reinhard Oberlohr erklärte weiter, dass hier auch das Tourismusgebiet Tannheimer Tal nicht vergessen werde, das unter den genau gleichen Lärmexzessen zu leiden habe. Gleich nach der Pressekonferenz machte sich die Gruppe auf den Weg zur Bezirkshauptmannschaft Reutte, wo Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf die Messdaten präsentiert wurden.