Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Innsbruck-Land

Öffi-Nutzer sehen noch viel Luft nach oben

Beim Öffi-Treff in Absam forderten die Kunden besonders eine bessere Abstimmung zwischen Bus und Bahn ein.

© Domanig



Absam – Wie sehr das Thema öffentlicher Verkehr die Bevölkerung bewegt, bewies der erste „Öffi-Treff“ in Absam: Vertreter von Verkehrsverbund Tirol (VVT) und ÖBB sowie der sechs Gemeinden im Planungsverband Hall und Umgebung wurden mit Anregungen, Kritikpunkten und Verbesserungsvorschlägen geradezu überschüttet.

Durch Frequenzsteigerungen im Öffi-Bereich ließen sich die starken Belastungen durch den Individualverkehr in der Region zumindest etwas verringern, betonte Planungsverbandsobfrau BM Eva Posch (Hall) eingangs. Gemeinsam mit dem Land habe man daher den Verkehrsplaner Klaus Schlosser beauftragt, erstmals eine Erhebung und Auswertung des bestehenden Angebots im Verbandsgebiet durchzuführen. Schlosser gab dann auch einen Einblick in den Hunderte Seiten dicken Bericht, der auf einer Fahrgastzählung und -befragung im Frühjahr 2017 basiert:

So wurden am Bahnhof Hall am Erhebungstag 2615 Ein- und Aussteiger gezählt, von denen 65 Prozent Richtung Innsbruck unterwegs waren. Auffällig: Fast die Hälfte der Bahnnutzer kommt zu Fuß.

Bei den Buslinien – insgesamt zählte man 16.125 Ein- und Ausstiege – weisen die Linie 504 (Hall – Rum – Innsbruck, entlang der Bundesstraße) sowie die Dörferlinien 501 und 502 die stärkste Nutzung auf. Eher schlecht ausgelastet sind kurze Linien wie Linie 1 und 2 des Haller Stadtverkehrs oder die Rumer Linie. Bedarf an Zusatzkursen sehen die Experten generell vor allem im Frühverkehr sowie am Abend und Wochenende.

Ein Hauptkritikpunkt der Öffi-Nutzer – der sich auch mit dem Expertenbefund deckt – ist die teils mangelnde Abstimmung zwischen Bus- und Zugfahrplänen bzw. zwischen verschiedenen Buslinien. Anschlüsse und Umsteigezeiten würden oft nicht passen, die Folge seien teils erhebliche Wartezeiten – erst recht bei Verspätungen. VVT-Verkehrsplaner Andreas Knapp erklärte dazu, dass man heuer damit beginnen wolle, die Abstimmung wie auch Kommunikation zwischen Bus und Schiene zu verbessern – „etwa, dass der Busfahrer wartet, wenn sich ein Regionalzug um zwei Minuten verspätet“.

Moniert wurden auch Lücken im Busverkehr: So beklagten Anrainer aus dem Haller Stadtteil Untere Lend, dass der Bus nicht mehr, wie früher, das Kurhaus anfahre, und man somit „von der Außenwelt abgeschnitten“ sei. Schmerzlich vermisst wird auch eine Direktverbindung zum Krankenhaus.

Mehrfach angesprochen wurde zudem etwa ein fehlender Direktbus von Absam-Dorf zum Haller Bahnhof – zu Fuß sei man teils schneller als mit den Umsteigeverbindungen. Dies sei vor allem eine Kostenfrage, betonte BM Arno Guggenbichler – eine solche Direktverbindung (wie sie von Eichat aus ja besteht) würde die Gemeinde jährlich 120.000 Euro kosten. Anpassungen bei den bestehenden Linien seien möglich, müssten aber stets im Planungsverband diskutiert werden: „Denn wenn ich an einer Schraube drehe, mache ich zwei andere locker“, Fahrpläne seien ein „extrem komplexes System“.

Thema war an diesem Abend auch die heiß diskutierte Frage der Anbindung von Thaur zum neuen Bahnhalt Hall-Thaur: Was die Schaffung von Parkplätzen vor Ort angeht, verwies BM Christoph Walser auf die laufenden Verhandlungen zwischen der Stadt Hall und den Grundbesitzern. Ziel müsse aber ohnehin sein, nicht mit dem Auto, sondern mit Öffis zur Bahnstation zu gelangen. Und hier sei man mit der Marktgemeinde Rum in Gesprächen über eine interessante neue Variante: Das Thaurer Dorftaxi und die Rumer Linie (Funktaxi) könnten „zu einer neuen Busverbindung zusammengeschlossen werden“. (md)




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