Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.05.2018


Bezirk Reutte

Dem Straßenlärm im Lechtal wird der Kampf angesagt

Ein Universitätsprofessor, eine Anrainerin, ein Transitgegner, ein Naturparkobmann – in Stanzach wird am Mittwoch diskutiert.

© TscholAlltag bei Schönwetter im Lechtal. Eine Motorradfahrergruppe ist bei Stanzach unterwegs.Foto: Tschol



Von Helmut Mittermayr

Stanzach, Imst – Unter Frühlingsgefühlen versteht so mancher eine Drehbewegung im rechten Handgelenk. Kaum blühen die ersten Himmelschlüssel im Voralpenland, werden die Brummer aus dem Winterschlaf geholt, mit Kraftstoff befüllt, das Navi auf die Passstraßen des Außerferns eingestellt, und los geht’s. Egal, ob Plansee, Tannheimer Tal, Lechtal, Namloser Tal, Hahntennjoch – überall warten Beschleunigungsstrecken, Schräglagen und Glücksgefühle für Motorradfahrer, überall legt sich bei schönem Wetter eine Lärmwolke über die Naturlandschaft. Genau dies will sich die Interessengemeinschaft Xund’s Lechtl nicht mehr bieten lassen und hat begonnen sich zu wehren.

Mehrere Male schon wurde Xund’s- Lechtl-Sprecher Reinhard Oberlohr gemeinsam mit dem Obmann des Transitforums Tirol, Fritz Gurgiser, bei der Bezirkshauptmannschaft Reutte vorstellig, um auf die massiven Lärmpegelüberschreitungen hinzuweisen und Gegenmaßnahmen einzufordern. Ausgehend von der geltenden Obergrenze von 60 Dezibel kam es, wie berichtet, bei Messungen untertags in Elbigenalp zu Überschreitungen von 170 %, Häselgehr 190 %, Elmen 170 %, Stanzach 220 % und Weißenbach 200 %. Als erster Schritt wurden Geschwindigkeitsbeschränkungen entlang diverser Strecke erlassen, an die sich zum Leidwesen vieler Einheimischer allerdings alle Verkehrsteilnehmer zu halten haben.

Als schwer beeinträchtigt sieht Fritz Gurgiser, der sich hier vom Innsbrucker Uni-Professor für Öffentliches Recht, Karl Weber, beraten ließ, auch das Ruhegebiet Muttekopf, das sich über Imster und Pfafflarer Gemeindegebiet erstreckt. Hier sei die Behörde gefordert, „ist doch jede erhebliche Lärmentwicklung verboten. Die Zielsetzung dieses Schutzgebietes ist durch den starken Freizeitverkehr am Hahntennjoch de facto außer Kraft gesetzt“, versucht Gurgiser den Behörden ein Hölzchen für die Erlassung weiterer massiver Beschränkungen zuzuwerfen.

Die Verkehrslärmproblematik im Bezirk Reutte wird kommenden Mittwoch, den 16. Mai, um 19.30 Uhr, im Gemeindesaal von Stanzach diskutiert. Unter dem Motto „Xund leben ohne dröhnen“ diskutieren am Podium Univ.-Prof. Peter Lercher (Institut für Hygiene – und Sozialmedizin der Uni Innsbruck), der Elmer Bürgermeister Heiner Ginther (Obmann Naturpark Tiroler Lech), Andrea Kärle (Anrainerin) und Fritz Gurgiser. Die Meinung des Publikums ist gern gehört.

Auch NEOS-Abgeordneter Andreas Leitgeb meldet zu Wort. Er will in der Mai-Sitzung des Landtages fordern, in die Tiroler Umgebungslärmkarte neben Autobahnen und Schnellstraßen auch das nachrangige Straßennetz und Regionalflugplätze wie etwa Höfen aufzunehmen und um die „Modellregion Bezirk Reutte“ zu erweitern. Anlass dafür seien viele Anfragen aus dem Außerfern.