Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Bezirk Kufstein

Idee von Wörgler Nordumfahrung lebt weiter

Die hydrogeologischen Untersuchungen für den Wörgler Nordtangenten-Kreisverkehr Ost stehen vor dem Abschluss. Bürgermeisterin Wechner hofft auf eine Finanzspritze des Landes zur Fertigstellung der Umfahrung.

© OtterBei Wörgl-Mitte endet die Nordumfahrung. Die Fertigstellung der Straße nach Osten ist nicht nur der Wunsch der Kommunalpolitik.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Es war ein außergewöhnliches Stadteilgespräch in Wörgl, das jüngst stellvertretend für die Gemeideversammlung stattgefunden hat. Bürgermeisterin Hedi Wechner lud dazu alle Bewohner ein, die nördlich der Bundesstraße (B171) wohnen. Letztlich kamen genau null Wörgler ins Volks­haus. Daher wandelte Wechner nach einer akademischen Viertelstunde die Bürgerversammlung zum Mediengespräch um. Und dabei ließ sie aufhorchen. Die Stadtchefin berichtete, dass hydrogeologische Untersuchungen für einen großen Kreisverkehr im Osten der Stadt durchgeführt bzw. bald abgeschlossen sein würden.

Dieser Kreisverkehr ist ein wesentlicher Teil der Nordtangente und Zufahrt zum Gewerbegebiet. Laut Wechner werden die Untersuchungen noch im Juni fertig. Danach könne man mit der Planung des zweiten Teils der Umfahrung beginnen. Die Finanzierung des Baus müsste aber das Land übernehmen, sagt Wechner. Die Stadt habe dazu kein Geld.

Wörgl hat sich mit dem ersten Teil der Tangente vom A12-Kreisverkehr West bis Wörgl-Mitte finanziell die Finger verbrannt. Bereits 2007 oder 2008 hätte die gesamte Straße fertig sein sollen, um den Stadtkern vom Pkw-Verkehr zu entlasten. Damals wurde mit Baukosten von rund 12 Mio. Euro gerechnet. Doch rasch kam es zu Verzögerungen und 2012 zum großen Knall: Die für den Bau gegründete Wörgler Infrastrukturgesellschaft (WIG) wurde aufgelöst, die Schulden ins Stadtbudget übernommen. Wie sich dann herausstellte, hat das erste Teilstück 16,5 Mio. Euro gekostet. Seither stottert Wörgl jährlich eine Kreditrückzahlung von 800.000 Euro ab, was das Budget extrem belastet. Als 2015 zumindest der erste Straßenteil eröffnet wurde, schien daher der Traum von der Fertigstellung der parallel zur Autobahn verlaufenden Tangente geplatzt. Immerhin muss mit weiteren Kosten von rund 15 Mio. Euro gerechnet werden.

Daher überrascht es, dass nun das Land angeblich als Geldgeber einspringen will (laut BM Wechner werde dies so kolportiert): Immerhin gibt es einen Vertrag aus dem Jahr 2008, laut dem die Stadt die Straße auf ihre Kosten fertig baut. Erst dann würde sie vom Land als neue Bundesstraße (B171) übernommen.

Beim Land gibt man sich zugeknöpft, was dieses Thema anbelangt, und meint, dass sich an den Übernahmebedingungen nichts geändert habe, wie es aus der Landespressestelle heißt. „Über aktuelle Vorhaben der Stadtgemeinde hinsichtlich Nordtangente liegen der Landesstraßenverwaltung keine Informationen vor. Diesbezüglich dürfen wir also an die Stadtgemeinde verweisen“, wird weiters auf Anfrage der TT mitgeteilt. Wer also hier wem was versprochen hat, bleibt vorerst im Dunkeln.

Andererseits ist bekannt, dass in Wörgl die Bundesstraße bereits ihr Fassungsvermögen erreicht und es daher schwierig ist, weitere Genehmigungen für Zu- und Abfahrten zu erhalten. So ist es bei der Fischerfeld-Tiefgarage geschehen, wo kein Linkseinbiegen von der Bundesstraße möglich ist. Auch ein großes geplantes Vorhaben in der Stadtmitte würde eine Zufahrt zur Salzburger bzw. Innsbrucker Straße, wie die B171 in Wörgl heißt, benötigen. Eventuell hat dieser Umstand zum Umdenken in Innsbruck geführt.




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