Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Bezirk Landeck

Drohender Felssturz: Eine Straße für nur 75 Tage

In nur fünf Tagen wurde nach einem drohenden Felssturz auf der Serfauser Straße im März ein Notweg über die Rieder Felder gebaut. Zweieinhalb Monate war er in Betrieb, nun wird er zurückgebaut.

© Reichle



Von Matthias Reichle

Ried, Serfaus, Fiss, Ladis – Der Montag, 12. März, begann heuer mit einer wenigen guten Nachricht. Die Ferienregion Serfaus-Fiss-Ladis mit derzeit 12.000 Urlaubern müsse sich auf eine mehrtägige Notsituation einstellen, hieß es seitens des Landes. 5000 Kubikmeter Gestein drohten damals auf die Serfauser Landesstraße abzurutschen. Nachdem die Lader Landesstraße bereits aufgrund von Steinschlag gesperrt war, waren die drei Gemeinden quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Nur mit Allrad war eine Zufahrt über Forstwege möglich.

In nur fünf Tagen und Nächten schaffte es das Baubezirks­amt nicht nur, dass die Lader Straße einspurig freigegeben werden konnte, es wurde auch eine 800 Meter lange Ersatzstraße gebaut – 400 Meter davon komplett neu durch die Rieder Felder. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit bzw. den nahen Urlauberwechse­l. Als das Projekt geschafft war, sprachen viele von einer Meisterleistung.

Insgesamt 75 Tage war der Notweg in Betrieb, bis am 30. Mai die Serfauser Landesstraße wieder befahrbar war. Der bereits zu Beginn versprochene Rückbau dauert nun etwas länger, wie Baubezirksamtschef Günther Heppke betont: „Wir sind schon die vierte Woche dran und werden noch drei bis vier Wochen brauchen. Da sieht man erst, was für eine Leistung das war.“ Damals habe man Tag und Nacht gearbeitet – „jetzt haben wir diesen Druck nicht mehr“.

Für den Rückbau wurde die erste Mahd abgewartet, nun gehören die Wiesen ganz den Walzen und Baggern, die große Flächen wieder einebnen. „Wenn man Kehren schüttet, ist das relativ aufwändig“, so Heppke, entsprechend groß sei nun der Aufwand. Danach sollen die Wiesen wieder so ausschauen wie zuvor. Der bestehende Feldweg entlang des Inns wird zwar rückgebaut – aber auf einer Breite von drei Metern belassen und asphaltiert. Das sei ein Wunsch der Grundeigentümer gewesen. Die Bauern bekommen für den Ernteentgang eine Entschädigung, so Heppke. Bis die Fläch­e wieder eingesät und Gras über die Sache gewachsen ist, wird es eine Zeit dauern. Die Felssicherungsmaßnahmen entlang der Serfauser und Lader Straße sind inzwischen abgeschlossen – bis auf zwei talseitige Böschungen, die im Herbst mit Ankern und Betonfertigmauern verbaut werden.

Der heurige Winter war für das Baubezirksamt etwa­s Außer­gewöhnliches, so Heppke. Vor allem die Häufung der Ereignisse – für Heppke war es seit dem großen Hochwasser 2005 die bislang anspruchsvollste Aufgabe. Abgerechnet ist das Projekt noch nicht – es werde aber eine beträchtliche Summe, erklärt der Leiter des Baubezirksamts.

- Reichle