Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.07.2018


Bezirk Reutte

Verkehr am Fernpass noch vor Kollaps unterbinden

Bürgerinitiative fordert „lenkende“ Maßnahmen entlang der Fernpassstrecke zur Steuerung des Verkehrs.



Von Helmut Mittermayr

Lermoos – Jahrelang war es um die Bürgerinitiative Alpentransit Außerfern (ATA) ruhig geworden. Jetzt meldet sich Obmann Fritz Mitterbauer wieder zu Wort. Der Lermooser listet auf, was seiner Meinung nach gegen Ausbaumaßnahmen entlang der B179 spricht und warum deshalb auch der Scheiteltunnel keinen Sinn mache. Als aktuellen Istzustand nimmt Mitterbauer eine Belastung von mehr als 20.000 Pkw an 50 Tagen im Jahr auf der B179 an, an Spitzentagen 25.000. Zusätzlich befahren mehr als 2000 Lastzüge täglich die Strecke. Der Pkw-Verkehr habe am Fernpass in zehn Jahren um 30 Prozent zugenommen, weitere 35 Prozent Steigerung seien bis 2028 bei einer jährlichen Zunahme von nur drei Prozent zu erwarten. Bereits getätigte Baumaßnahmen (Umfahrung Heiterwang, Katzenberg) sowie geplante wie der Garmischer Kramer-, Tschirgant- und der Scheiteltunnel als „Denkmal der Unvernunft“ gepaart mit zusätzlichen Erleichterungen und Verkürzungen würden die Fernpassstrecke immer noch attraktiver machen. Für Mitterbauer der falsche Weg.

Der ATA-Aktivist listet Lösungsansätze auf, mit denen das Verkehrsproblem angegangen werden könnte. Prinzipiell gelte, dass in einem Zeitraum von zehn Stunden nur 24.000 Pkw bewältigbar seien. Dieser Schlüsselzahl müssten alle Maßnahmen zugrunde liegen. Es brauche daher permanente, offizielle und exakte Informationen über die Verkehrsdichte in der Region. Vor dem Kollaps, dem Stillstand, müsse der Zufluss reduziert oder sogar vollkommen unterbunden werden, was erlaubt sei. Dies könne subtil, kapazitätsabhängig und vollautomatisiert gesteuert werden. „Beeinträchtigungen müssten dann örtlich frühzeitig angekündigt und den Autofahrern Alternativen ermöglicht werden. Schnelle Information ist ein äußerst wichtiger Bestandteil dieser Maßnahmen“, führt Mitterbauer weiter aus.

Zudem nimmt er die Tourismuswirtschaft in die Pflicht: „Durch preisliche Anreize können Anreise- und Abreisezeiten gedehnt werden.“ Touristische Informationsquellen müssten künftig auf günstige Reisezeiten hinweisen sowie Angebote mit Bus und Bahn massiv beworben werden. Daher seien etwa auch gut bestückte Skiverleihs so wichtig. Der öffentliche Nahverkehr, der sich positiv entwickelt habe, müsse weiter verbessert, die Taktzeit verkleinert werden. Und zu guter Letzt fordert ATA-Obmann Mitterbauer bei befürchteten 2500 Lkw pro Tag ein „echtes“ 7,5-to-Tonnagelimit.