Letztes Update am Fr, 09.11.2018 14:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖAMTC

Vorsicht Herbstblues: 2017 starben 18 Österreicher durch Sekundenschlaf

Schlechter oder mangelnder Schlaf ist ein enormes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr. Davor warnt auch der ÖAMTC und gibt Tipps zum Umgang mit dem Herbstblues.

© Screenshot/YoutubeEine Sekunde eingenickt und schon ist es zu spät - Müdigkeit am Steuer hat verheerende Folgen.



Innsbruck — Der Wind weht wieder kälter, draußen ist es nur noch wenige Stunden hell und am Morgen fällt es schwer, sich aus dem Bett zu wälzen — der Herbstblues ist zurück. Schuld daran ist das Müdigkeitshormon Melatonin. "Ist es draußen nur wenige Stunden hell, bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht — das bedeutet mehr Müdigkeit", so ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Gefährlich werden kann der Herbstblues vor allem im Straßenverkehr. So kamen auf Österreichs Straßen im vergangenen Jahr 18 Personen bei Unfällen ums Leben, bei denen Übermüdung die vermutete Ursache war.

Angesichts der verheerenden Auswirkungen warnt der ÖAMTC vor den fünf Hauptursachen von tödlichem Sekundenschlaf und gibt Tipps zur Vermeidung:

  • Zu lange wach - Powernap hilft: "Ist man 15 Stunden ununterbrochen wach, wird es für einen Verkehrsteilnehmer sehr kritisch, ab 17 Stunden gefährlich", weiß die Expertin. Grund dafür ist der aufgebaute Schlafdruck — dieser wird so groß, dass man in monotonen Situationen mit plötzlichem Einschlafen rechnen muss. Dieser Schlafdruck kann nachhaltig nur durch Schlaf abgebaut werden. "Unbedingt eine Pause mit kurzem 'Powernap' einlegen. 20 bis 30 Minuten Schlaf können schon sehr helfen", rät Seidenberger.
  • Nächtliche Fahrten vermeiden: Die Leistungsfähigkeit unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. In den Abendstunden kommt es zu einer kontinuierlichen Abnahme der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung. In den frühen Morgenstunden, zwischen 2 und 4 Uhr, ist die Leistungsfähigkeit am geringsten. "Nächtliche Fahrten sollten daher unbedingt vermieden werden", empfiehlt die ÖAMTC-Expertin.
  • Keine Ablenkung am Steuer: Hoher Schlafdruck beeinträchtigt vor allem die Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu lösen, d. h. Situationen zu meistern, in denen man rasch richtige und sichere Entscheidungen treffen muss. "Generell muss jede Art von Ablenkung vermieden werden. Es gilt: vollste Konzentration aufs Fahren", so Seidenberger.
  • Vorerkrankungen beachten: Besonders kritisch sind Schlafstörungen und/oder Therapien mit Arzneimitteln, die ermüden oder zu Leistungsbeeinträchtigung führen. Bei Menschen mit Schlafstörung besteht ein hohes Risiko für Sekundenschlaf beim Autofahren.
  • Müdigkeit bahnt sich an: Die Anzeichen von Ermüdung sind zwar individuell unterschiedlich, kündigen sich aber jedenfalls an. Aufmerksame Beifahrer können unterstützen, indem sie den Lenker wachsam beobachten und fit halten. (TT.com)