Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Bezirk Reutte

Ärger über Außerfernbahn: Mehr als vier Stunden von Innsbruck nach Vils

Ein Jahr lang heißt es in Garmisch-Partenkirchen warten. Langsamfahrstrecken im Außerfern sind die Ursache. Innsbruck - Vils dauert weit über vier Stunden.

© Tschol



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Innsbruck — Das Außerfern — für ein ganzes Jahr wird der Bezirk Reutte seinem Namen gerecht, was die Zugverbindung mit dem Inntal betrifft. Mit der baldigen Fahrplanumstellung im Dezember 2018 verlängert sich die Fahrzeit von Innsbruck nach Vils in den meisten Fällen um zwei Stunden. Eine Fahrt von Wien mit dem Railjet nach Imst dauert dann (4:47) genau gleich lang wie von Innsbruck mit dem Regionalexpress nach Vils (4:44).

Auf diese „inakzeptable Situation" aufmerksam macht der Arbeitskreis Fahrgast Tirol. Sprecher Martin Teißl bringt Beispiele zu den künftigen Verzögerungen, die schon im Dezember eintreten werden: „Bei einer Fahrt mit der Eisenbahn von Innsbruck Hbf. nach Vils Stadt über Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen und Reutte verlängert sich die Reisezeit in den meisten Fällen von derzeit 2 Stunden und 44 Minuten auf 4 Stunden und 44 Minuten. Wenn man zum Beispiel im derzeitigen Fahrplan in Mittenwald (Oberbayern) mit der Regionalbahn um 13.36 Uhr abfährt, kommt man bei einer Fahrt über Reutte nach 2 Stunden und 11 Minuten in Nesselwang im Allgäu an. Ab dem Fahrplanwechsel benötigt man bei dieser Verbindung 4 Stunden und 10 Minuten." Was Teißl besonders stört: „Die von der ÖBB Infrastruktur angekündigten Investitionen und Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Strecke Reutte — Vils haben nichts damit zu tun. Diese Arbeiten beginnen sowieso erst in einem halben Jahr." Dass man die Außerferner Bevölkerung jetzt schon ausbremse, liege daran, dass drei Langsamfahrstrecken zwischen Reutte und der Grenze Griesen innerhalb des Bezirkes Reutte notwendig seien. Teißl zornig: „Die ÖBB-Infrastruktur AG hat die Unterhaltung der Gleisanlagen jahrelang verschlampt, weshalb diese jetzt so marode sind, dass Langsamfahrstellen eingerichtet werden müssen." Diese Bremspunkte, die drei Minuten Fahrzeit kosten, führen nun dazu, dass die jeweiligen Anschlusszüge in Garmisch-Partenkirchen nicht mehr erreicht werden können. Teißl fordert, dass diese Fahrplanverschlechterungen durch ein entsprechendes Baustellenmanagement der ÖBB ganz vermieden werden oder — falls dies wirklich nicht möglich sein sollte — erst unmittelbar vor Beginn der Bautätigkeit in einem halben Jahr umgesetzt werden.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die via DB Regio die Strecke bedient, in einer Anfragebeantwortung an Teißl: „Zwischen der Staatsgrenze bei Griesen und Reutte richtet die ÖBB Infrastruktur zum Fahrplanwechsel 9.12.2018 drei Langsamfahrstellen aufgrund von Infrastrukturmängeln ein. Zwei davon sollen laut ÖBB noch im Jahr 2019 behoben werden, die dritte 2020. Diese Stellen haben zur Folge, dass sich die Fahrzeit zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte deutlich verlängert und sich damit das reguläre Taktfahrplankonzept mit den Taktzugkreuzungen in Garmisch-Partenkirchen, Ehrwald und Reutte nicht mehr aufrechterhalten lässt." DB Regio und die ÖBB hätten daher notgedrungen beschlossen, für den Jahresfahrplan 2019 kurze Umsteigezeiten in Reutte von der bzw. zur westlichen Außerfernbahn Reutte — Kempten und längere Umsteigezeiten in Garmisch-Partenkirchen einzurichten.

„Kleine Ursache, große Wirkung." ÖBB-Holding-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair räumt die Verzögerungen unumwunden ein. „Auf der eingleisigen Strecke pflanzen sich die Verspätungen fort. Drei Minuten reichen leider, um Anschlüsse nicht mehr zu erreichen." Die Gleissanierungen mit Streckensperren würden im Frühjahr und im Sommer stattfinden. In einem Jahr (Winter 2019

20) sei wieder mit Fahrzeiten für Reutte — Innsbruck von 2:22 zu rechnen. Gasser-Mair verweist auf die Anstrengungen der ÖBB Infra, die bis 2023 31 Mio. Euro in die Außerfernbahn investiere. Im Zuge der „Tiroler Verträge" seien in den letzten Jahren schon 60 Mio. geflossen.

Aus Sicht des Arbeitskreises Fahrgast Tirol ist die angekündigte Modernisierung der Außerfernbahn insgesamt „sehr zu begrüßen". 2019 komme es zur Erneuerung der Gleise auf einer Länge von 4,5 Kilometern um fünf, und zur Elektrifizierung der Strecke Reutte über Vils bis zur Staatsgrenze bei Pfronten-Steinach im Allgäu um neun Millionen.