Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Innsbruck-Land

Völser Straße: Scharfe Kritik an Ortstafelversetzung

Als „Schildbürgerstreich“ bezeichnet ein Anrainer die Maßnahme zur Lärmreduktion an der Völser Straße.

© ZOOM-TIROLSymbolbild.



Innsbruck – Die Verkehrslärmbelastung an der L11 Völser Straße bleibt ein höchst brisantes Thema. Wie berichtet, wurde in Abstimmung zwischen Stadt Innsbruck und Land Tirol vor rund zweieinhalb Wochen die Ortstafel an der westlichen Ortseinfahrt nach Innsbruck versetzt und damit die 50er-Beschränkung etwas nach Westen ausgedehnt. Laut dem Büro von Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl steht das Ortsschild nun knapp 100 Meter weiter westlich als die bisherige 50er-Tafel. Zugleich fänden derzeit verstärkte Tempokontrollen durch die Polizei statt.

Für Roland Seeger, Anrainer in der Klosterangerstraße, ist die Versetzung der Ortstafel nichts anderes als ein „Schildbürgerstreich“. Mit der Maßnahme „haben Sie erreicht, dass nunmehr exakt auf der Höhe der letzten Häuser des Klosterangers gebremst und beschleunigt wird“, erklärt Seeger in einem Schreiben an Schwarzl und den Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol, Christian Molzer. Das Problem sei also „nicht beseitigt, sondern verschärft“ worden. Seit der Ortstafelversetzung sei der Straßenlärm selbst bei geschlossenen Fenstern nicht mehr ausblendbar.

Wie Seeger im TT-Gespräch betont, stehe er in dieser Sache seit rund eineinhalb Jahren in Kontakt mit dem Land. Was ihm besonders sauer aufstößt: „Es liegt ein Sachverständigengutachten, beauftragt von der Landesregierung, vor, wonach die Lärmgrenzen in diesem Bereich im Tagesschnitt um vier bis fünf Dezibel überschritten werden – untertags ebenso wie in der Nacht.“ Dem Gutachter zufolge könnten hier Betonleitwände Abhilfe schaffen. „Das Land hat auch bereits zugesagt, diese bauliche Maßnahme zu unterstützen – unter der Voraussetzung, dass sich die Stadt Innsbruck beteiligt. Doch das hat die Stadt durch diesen Schildbürgerstreich nun abgewendet“, ärgert sich Seeger, denn im Stadtmagistrat habe man ihm erklärt, dass nun „seitens der Straßenverkehrsbehörde keine weiteren Maßnahmen“ im Bereich Völser Straße mehr gesetzt würden.

Aus dem Büro von StR Schwarzl heißt es dazu, dass man jetzt einmal die Ergebnisse der verdeckten Tempo­messungen abwarte. „Mit den validen Daten können wir dann auch prüfen, ob unsere Lärmberechnungen stimmen, die eine deutliche Entlastung der betroffenen Anrainer prognostiziert haben.“ Amts­seitig gehe man davon aus, dass das von der Polizei gemessene Durchschnittstempo ungefähr dem angeschriebenen Tempo 50 entsprechen wird. „Wenn es jedoch zu deutlichen Überschreitungen kommt, wird das, was wir im Lärmgutachten berechnet haben, nicht stimmen – und dann werden wir gegebenenfalls sehr wohl nachschärfen.“

Anrainerin Ulrike Winder geht allerdings davon aus, dass die Messungen, obwohl „verdeckt“ durchgeführt, von den Verkehrsteilnehmern sehr wohl wahrgenommen werden – und die Messergebnisse daher nicht die Realität abbilden werden: „Während der Kontrollen wird langsamer gefahren und es ist wirklich spürbar leiser – außerhalb der Messzeiten geht es aber genauso schlimm zu wie vorher.“ (md)