Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Bezirk Kufstein

Tiroler Unterland: Nicht überall ist das Dorftaxi gerne gesehen

Das e5-Dorftaxi stößt bei der Bevölkerung von Bad Häring auf so gut wie kein Interesse. In Angerberg hingegen ist es äußerst beliebt.

Dort, wo die Busverbindungen nicht mehr ausreichen, ist in manchen Orten ein eigenes Taxisystem die Alternative. In Bad Häring ist jedoch das Interesse der Bevölkerung daran nur gering.

© Thomas Boehm / TTDort, wo die Busverbindungen nicht mehr ausreichen, ist in manchen Orten ein eigenes Taxisystem die Alternative. In Bad Häring ist jedoch das Interesse der Bevölkerung daran nur gering.



Bad Häring, Angerberg – Um das Thema Nahverkehr kommt kein Politiker herum. Sei es im Land oder in den Gemeinden. So machte sich auch der Kurort Bad Häring Gedanken über die innerörtlichen Verkehrsmittel. Außerdem passte es auch bestens zum e5-Programm, an dem sich der Ort beteiligt. Um zu wissen, was die Bevölkerung über ein e5-Dorftaxi, wie es zum Beispiel in Angerberg in Betrieb ist, denkt, startete man eine Umfrage. Das Ergebnis war sehr ernüchternd, wie Bürgermeister Hermann Ritzer gegenüber der TT erklärt. Von den über 1000 Haushalten gab es nur aus 50 eine Antwort. „Und davon waren knapp 50 Prozent gegen ein Dorftaxi“, meint Ritzer, der damit das Projekt höchstwahrscheinlich wieder in der Schublade verschwinden lässt. „Entschieden ist es aber noch nicht“, sagt Ritzer.

Anders ist es in Angerberg und Mariastein gelaufen. Dort hat alles vor zirka 10 Jahren als eine Erweiterung des Schulbusses begonnen. Am Vormittag war dieser auch als Dorftaxi unterwegs. Allerdings mit nur geringer Akzeptanz bei der Bevölkerung. 2012 startete man dann durch. Mit einem Elektro-Dorftaxi (dem ersten in Tirol) und über 20 ehrenamtlichen Fahrern steigerten sich die Fahrgastzahlen. So konnte man von 15.000 Beförderungen in den ersten vier Jahren berichten. Für 2018 legt der Angerberger Bürgermeister Walter Osl auch positive Zahlen vor. „Unser Dorftaxi war zirka 24.000 Kilometer unterwegs, es wurden an die 3800 Beförderungen durchgeführt.“ Der Fahrpreis beträgt einen Euro. „Ohne Ehrenamtliche wäre das System nicht aufrechtzuerhalten“, sagt Osl.

Angerberg und Bad Häring seien aber nicht ganz vergleichbar, sind sich beide Ortschefs einig. „Durch unsere verstreut liegenden Siedlungen kann schon die nächste Bushaltestelle einige Kilometer vom Haus entfernt liegen“, erklärt der Angerberger Bürgermeister, während sein Bad Häringer Amtskollege Ritzer das Siedlungsgebiet in seinem Ort als geschlossener und kompakter darstellt. Dadurch sei der Wunsch nach einem gemeindeeigenen Taxi wahrscheinlich nicht so stark ausgeprägt.

Dabei sind aber die Bemühungen in Sachen Verkehr bei den Häringern noch nicht abgeschlossen. „Wir denken über ein Taxigutschein-System für Senioren und Jugendliche nach. Speziell für die Jugend ist es interessant, damit sie nach dem Ausgehen sicher nach Hause kommt.“ (wo)