Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Bezirk Landeck

Schaufensterpuppe als Verkehrsbremse in Landecker Begegnungszone

Der Gemeinderat verschärfte das Parkverbot in der Landecker Begegnungszone. Eine private Aktion soll Schnellfahrer bremsen.

Karl Harrer ist einer der Initiatoren der „Polizistin“ in der Malserstraße. Sie soll die Autofahrer an die 20er-Begrenzung erinnern.

© ReichleKarl Harrer ist einer der Initiatoren der „Polizistin“ in der Malserstraße. Sie soll die Autofahrer an die 20er-Begrenzung erinnern.



Von Matthias Reichle

Landeck – „Kaum einer hält sich an den 20er“, diesen Eindruck hat Karl Harrer, dessen Schuhhaus in der Landecker Malserstraße liegt. Gemeinsam mit seiner Tochter hat der Innenstadtkaufmann nun zur Selbsthilfe gegriffen. Seit Kurzem steht eine als Polizistin verkleidete Schaufensterpuppe vor den beiden Geschäften, hält eine Kelle in die Höhe und erinnert an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Und das mit Erfolg. „Die Leute fahren langsamer, weil sie sich die Puppe anschauen“, schmunzelt er. Die „Polizistin“ ist zudem ein beliebtes Fotomotiv geworden. „In der Faschingszeit lassen wir sie noch stehen.“ Im Sommer sei die Situation allgemein besser als im Winter, meint Harrer, weil die Fußgänger dann eher die gesamte Malserstraße in Beschlag nehmen und der Verkehr deshalb langsamer fließt.

Im vergangenen Jahr hatte der Gemeinderat die Begegnungszone als verkehrsberuhigende Maßnahme in der Land­ecker Innenstadt verordnet. Kürzlich war sie nun erneut Thema. Die Mandatare beschlossen eine Verschärfung des Parkverbots. Dieses gilt nunmehr nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, wie Vizebürgermeister Thomas Hittler (ÖVP) erklärte. „Das war ein riesiges Problem für die Anrainer.“ Das alte Parkverbot galt nur bis 18 Uhr, danach war die Straße voll.

Aber auch die Geschwindigkeitsproblematik wurde diskutiert. Nach einer Messung der Stadtpolizei zeigte sich aber, dass es „wenige richtige Überschreitungen gibt. Es gibt ein paar Wahnsinnige“, betont Hittler. Jeder Einzelne, der zu schnell fährt, sei allerdings zu viel. Man werde mehr kontrollieren.

Dass bisher nur wenige Strafen ausgestellt werden mussten, bestätigte auch Stadtpolizist Harald Tiefenbrunn. Was ihm aufgefallen sei, sind aber Autofahrer, die zwei- bis dreimal die Runde fahren.

Ersatzgemeinderat Andreas Pfenniger (SPÖ) hatte Harrers Puppe als Wink verstanden, dass die Gemeinde etwas unternehmen muss. „Es ist wieder festzustellen, dass sich die Fußgänger eher an die Häuserfronten drücken, der Verkehr hat die Fahrbahn zurückerobert.“

Noch im vergangenen Sommer sei die Situation besser gewesen. Er regte an, auch über ein Nachtfahrverbot nachzudenken. Durch die Pflasterung ist der Verkehr lauter geworden. FP-Stadtrat Roland König bemängelte zudem, dass viele Einheimische zu lang in der Malserstraße stehen und das Halteverbot ignorieren.

Auch Bürgermeister Wolfgang Jörg gefiel die Aktion des Kaufmanns. Er sprach von zahlreichen Anfragen rund um die Begegnungszone. Im Frühjahr werde es eine Gesprächsrunde mit Anrainern und der Leistungsgemeinschaft geben, kündigte er an.

Für Hittler ist ein Nachtfahrverbot ein Schritt, über den man nachdenken müsse, wenn etwas anderes nicht greift.

Für eine reine Fußgängerzone, wie sie ebenfalls von manchen diskutiert wird, ist es seiner Ansicht nach zu früh. Auch die Leistungsgemeinschaft habe Bedenken, dass man die Straße zu Tode beruhigt.