Letztes Update am Do, 14.02.2019 13:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Toter Winkel

Lkw-Abbiegeassistent: ÖAMTC für Sensibilisierung statt Verpflichtung

Nach dem Unfall Tod eines Neunjährigen in Wien wurde eine Petition gestartet. Der ÖAMTC unterstützt diese grundsätzlich, spricht sich aber gegen eine verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten aus.

ÖAMTC-Pressekonferenz zum Thema  "Toter Winkel Lkw" in Wien.

© APA/Hans Klaus TechtÖAMTC-Pressekonferenz zum Thema "Toter Winkel Lkw" in Wien.



Wien — In der nach dem Unfalltod eines Neunjährigen in Wien ausgelösten Debatte über Lkw-Abbiegeassistenten hat der ÖAMTC am Donnerstag bei einem Medientermin ein entsprechendes Kamerasystem demonstriert. Die von Eltern gestartete Petition wird vom Club prinzipiell unterstützt, ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold sprach sich aber gegen eine verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten aus.

Aufklärung: „Toten Winkel sichtbar machen"

Der ÖAMTC setze vielmehr auf Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer und Weiterbildung von Lkw-Lenkern. „Wir wollen den toten Winkel sichtbar machen", sagte Schmerold. In der Pflicht sieht er jedenfalls nicht die Lenker allein, sondern „auch die übrigen Verkehrsteilnehmer". Gerade das Aufeinandertreffen von Lkw und Bussen mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgänger oder Radfahrer in urbanen Kreuzungsbereichen führt immer wieder zu gefährlichen Situationen, sagte Schmerold. Obwohl der tote Winkel das Sichtfeld der Fahrer extrem einschränkt, sind sich andere Verkehrsteilnehmer dessen oft gar nicht bewusst. Diesbezüglich müssen Radfahrer und Fußgänger sensibilisiert werden, forderte der ÖAMTC.

ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold.
ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold.
- APA/Hans Klaus Techt

Die von Eltern gestartete Petition für ein verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten wurde bis Donnerstagmittag bereits von mehr als 53.000 Personen unterzeichnet. Der ÖAMTC unterstütze nicht „jeden Punkt der Petition". Für eine verpflichtende Nachrüstung seien etwa „die Systeme noch zu unterschiedlich".

Schmerold forderte eine rasche Regelung auf EU-Ebene, „wir wollen keinen Alleingang Österreichs". Vielmehr müssen Abbiegesysteme zunächst technisch spezifiziert und dann über die Typengenehmigung vorgeschrieben werden. Jetzt gehe es primär um Aufklärung, auch die Weiterbildung von Lkw-Fahrern müsse bezüglich des toten Winkels forciert werden.

Spiegel reichen mitunter nicht aus

Finanzielle Anreize für Frächter, damit diese ihre Lkw mit Abbiegeassistenten nachrüsten, sind für Schmerold nicht erforderlich. Derartige Systeme kosten zwischen 2000 und 3000 Euro, umgerechnet auf die durchschnittlich fünfjährige Verwendung von Fahrzeugen könnten diese Beträge von den Unternehmen selbst finanziert werden.

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Lkws sind mit sechs Außenspiegel ausgerüstet, zwei auf der linken Seite, vier rechts. Viele Lenker seien mit „nicht optimalen Spiegelsystemen" unterwegs, sagte Schmerold. Trotz der sechs Spiegel lässt sich der tote Winkel nicht völlig vermeiden. Lkw-Experte Gerhard Blümel schilderte, dass Lenker insbesondere in kritischen Situationen nicht so sorgfältig in die vorhandenen Spiegel schauen würden. Problematisch sei auch, wenn sich Personen rund um das Fahrzeug weiterbewegen und somit für den Lenker von einem Spiegel in den anderen wechseln.

Blümel demonstrierte bei dem Pressetermin ein bereits vorhandenes Abbiegesystem. Dieses ist mit einer Kamera unter dem rechten Außenspiegel ausgestattet. Wird der Blinker gesetzt, wird sie aktiviert. Befindet sich eine Person im toten Winkel, ertönt in der Fahrerkabine ein akustischer Alarm, außerdem wird ein Bildschirm aktiviert, der die Bilder der Kamera zeigt. (APA)