Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.03.2019


Bezirk Reutte

Abfahrt Reutte Nord blieb am Samstag für Urlauber tabu

Die Bezirkshauptmannschaft Reutte ordnete wegen des Ausnahmestaus auf der B179 die Abschottung der Orte für den Durchzugsverkehr an. Touristen mussten auf der Fernpassstrecke bleiben, Einheimische durften abfahren.

B179: Die Ausfahrt Reutte Nord Richtung Süden war Samstag mit Hütchen zugestellt. Die Feuerwehr ließ nur Einheimische oder Gäste mit lokaler Buchungsbestätigung durch.

© Christian TiefenbrunnB179: Die Ausfahrt Reutte Nord Richtung Süden war Samstag mit Hütchen zugestellt. Die Feuerwehr ließ nur Einheimische oder Gäste mit lokaler Buchungsbestätigung durch.



Von Helmut Mittermayr

Pflach – Samstag ging der Traum vieler Einheimischer in Erfüllung: nämlich durchfahrende Touristen-Pkw bei Stau aus den Orten aus- und auf der B179 „einzusperren“. Immer wenn bei Urlauberschichtwechsel Autos von der B179 abfahren, um dem dortigen Vollstau auszuweiche­n, löst dies meist einen Verkehrskollaps im Talkessel Reutte rechtsseitig des Lechs aus.

Diesen Samstag bot sich anfangs das gleiche Bild – nach einem schweren Unfall auf der Gürte in Heiterwang bildete sich schnell ein Rückstau bis über die Grenze nach Deutschland hinaus. Stauumgeher legten in kurzer Zeit den Bezirkshauptort samt Nachbargemeinden lahm. Die Bezirkshauptmannschaft Reutte erkannte diesmal aber Gefahr in Verzug und beauftragte die Feuerwehren Pflach, Vils und Pinswang, verkehrsregelnd einzugreifen und damit die Möglichkeit, in die Orte einzufahren, zu unterbinden. Dies hieß unter anderem, dass die Pflacher Feuerwehrler die Abfahrt Reutte Nord auf der Fernpassstraße in Fahrtrichtung Süden von 10.15 bis 18 Uhr dichtmachten und nur noch Einheimische abfahren ließen. Wer eine Buchung im Raum Reutte vorweisen konnte, bei dem wurde ein Auge zugedrückt. Alle anderen mussten im Stau verharren und konnten die B179 teils erst Stunden später bei der Abfahrt Reutte Süd verlassen – wenn sie denn wollten.

Pflachs Feuerwehrkommandant Stefan Gruber zum Einsatz: „Das war sicher sinnvoll und nicht zu 99, sondern zu 100 Prozent der Wunsch der Bevölkerung.“ Man habe, wie von der Bezirkshauptmannschaft vorgesehen, nur noch Außerferner abfahren lassen. Und vereinzelt Urlaubsgäste mit örtlichem Reiseziel. Zum Beispiel welche, die ein Hotel in Wängle gebucht hatten. Gruber dankt seiner Mannschaft. Schließlich hätten viele damit den ganzen Samstag geopfert. Eine Dauerlösung sollte dies für ihn aber nicht werden, das könne man von den Feuerwehrleuten nicht verlangen.

Christian Senn, Obmann der Reuttener Kaufmannschaft, fasst den Unmut viele­r der 145 Mitglieder seiner Vereinigung zusammen. „Der Geschäftsausfall am Samstag war wieder einmal riesig. Für manche Branchen eine Katastrophe. Da kannst du nichts mehr schönreden.“ Denn bei solchen Stautagen verzichten die Einheimischen auf persönliche Fahrten und damit Einkäufe. Für Senn ist aber klar, dass das hilfreiche Mittel des „Dichtmachens“ der Abfahrt Reutte Nord wohl nicht zu halten sei: „Wie soll man denn entscheiden, ob ein Gast ins Reuttener Hotel Mohren abfahren darf oder weiterstauen muss? Und das Lechtal und Tannheimer Tal? Sind das gute Gäste, schlechte Gäste?“ Wer könne die Menschen daran hindern, dorthin zu fahren, wohin sie wollten? So berichteten dann auch Füssener in einem Reuttener Kaffeehaus im Obermarkt davon, dass sie nur mit größter Überredungskunst von der Feuerwehr nach Reutte durchgelassen worden seien.

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Pflachs Bürgermeister Helmut Schönherr denkt ähnlich: „Die Aktion war an sich eine gute Sache – für uns. Aber als Dauerlösung sicher heikel. Es braucht sich nur jeder vorzustellen, wenn er das nächste Mal mit Kleinkindern im Auto vor Jesolo auf einer Autobahn im Stau steht. Und dort zum Bleiben gezwungen wird, während Italiener natürlich alle abfahren dürften.“

BH Katharina Rumpf beruft sich auf § 44b der Straßenverkehrsordnung: „Hier war Gefahr in Verzug, die Bewegungsfreiheit von Blaulichtorganisationen nicht mehr gewährleistet.“ Die Juristin schränkt ein, dass dieses Mittel rechtlich als Dauerlösung keinesfalls tauge. Jetzt müsse man gemeinsam den vergangenen Samstag evaluieren und schauen, was weiter machbar sei.

Die Bezirkshauptmannschaft Reutte erkannte Gefahr in Verzug und beauftragte die Feuerwehren Pflach, Vils und Pinswang, verkehrsregelnd einzugreifen und damit die Möglichkeit, in die Orte einzufahren, zu unterbinden.
Die Bezirkshauptmannschaft Reutte erkannte Gefahr in Verzug und beauftragte die Feuerwehren Pflach, Vils und Pinswang, verkehrsregelnd einzugreifen und damit die Möglichkeit, in die Orte einzufahren, zu unterbinden.
- Christian Tiefenbrunn