Letztes Update am Di, 16.04.2019 10:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ministeriums-Studie

Unfallrisiko in Tunneln deutlich geringer als im Freiland

Die Wahrscheinlichkeit, in einem Autobahn- oder Schnellstraßentunnel zu verunglücken, ist in Österreich deutlich geringer als auf denselben Straßen im Freiland. Zudem sind Tunnel ohne Gegenverkehr gefährlicher als jene mit, geht aus einer Studie hervor.

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Wien – Die Furcht vieler Autolenker vor Fahrten durch Tunnel mag psychologisch leicht erklärbar sein, rein statistisch ist sie unbegründet: Die Wahrscheinlichkeit, in einem Autobahn- oder Schnellstraßentunnel zu verunglücken, ist in Österreich nämlich deutlich geringer als auf denselben Straßen im Freiland. Das geht aus einer Studie des Verkehrsministeriums hervor, die der APA vorliegt.

Das Ministerium hat für die Untersuchung Unfälle (mit Verletzten oder Toten) in Tunnel mit mindestens 200 Metern Länge in den Jahren von 1999 bis 2017 ausgewertet. In diesem Zeitraum sind bei 1841 Ereignissen 3170 Menschen verunglückt, 126 Personen verloren dabei ihr Leben. Auffallend ist, dass die Zahl der jährlichen Todesopfer in diesen 19 Jahren stark zurückgegangen ist, obwohl sich die Gesamtlänge aller Tunnel (ab 200 Metern) in dieser Zeit mehr als verdoppelt hat – insbesondere durch den Bau zweiter Röhren. Wurden in den ersten vier Jahren der Erhebung (1999-2002) durchschnittlich noch über 15 Tote pro Jahr registriert, waren es in den letzten fünf Jahren nur mehr 2,4 statistische Tote im Jahr. Über den gesamten Untersuchungszeitraum betrug die jährliche Zahl der Todesopfer im Schnitt sieben.

Ausgewertet wurde in der Ende November 2018 fertiggestellten Studie auch der Vergleich des Unfallrisikos zwischen Autobahn und Schnellstraße (jeweils Freiland) sowie Tunnelstrecken. Dabei zeigte sich, dass sich bei einer Milliarde gefahrener Kilometer im Schnitt 85 Unfälle mit Verletzten auf den Autobahnen ereigneten, auf den Schnellstraßen war es ein Unfall mehr, in den Tunnelabschnitten lag diese Zahl mit 67 aber deutlich niedriger. Bei diesen Kollisionen verunglückten 137 Menschen auf der Autobahn, 127 auf der Schnellstraße und 115 im Tunnel.

Schnellstraßen schneiden am schlechtesten ab

Etwas anders verhält es sich bei den Todesopfern: Je gefahrene Milliarde Kilometer kamen auf Autobahnen statistisch 3,42 Menschen ums Leben, auf Schnellstraßen 5,34 und in einem Tunnel 4,58. In der Studie wird die vergleichsweise hohe Rate an Getöteten auf den Schnellstraßen mit den vielen Gegenverkehrsbereichen ohne baulichen Trennung begründet.

Auch beim Anteil der Schwerverletzten schneiden die Schnellstraßen am schlechtesten ab, während die Autobahnen und Tunnel hier bis auf wenige Zehntelprozentpunkte denselben Anteil haben. Mehr als drei Viertel aller Verunglückten (76 Prozent) überstehen einen Unfall mit Personenschaden im Tunnel mit leichten Verletzungen, auf Autobahnen sind es 73,4 Prozent, auf Schnellstraßen 70,5 Prozent.

Tunnel ohne Gegenverkehr gefährlicher

Die Studienautoren wollten auch wissen, wie sich zweite Röhren – also Tunnel ohne Gegenverkehr – auf die Sicherheit auswirken. Und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Das Unfallrisiko ist bei Gegenverkehr sogar etwas geringer. Wenn es dort allerdings kracht, ist das Risiko einer Verletzung etwas höher, die Wahrscheinlichkeit zu sterben sogar dreimal größer als in Tunneln ohne Gegenverkehr.

Schließlich wurden auch noch die Ursachen der Unfälle untersucht. Mehr als jedes dritte Geschehen ist auf Unachtsamkeit oder Ablenkung zurückzuführen. Zweithäufigste Ursache war zu geringer Sicherheitsabstand, wobei dies in Tunneln mit Gegenverkehr (27 Prozent) deutlich häufiger vorkam als in Tunneln ohne Gegenverkehr (17 Prozent). Bei der dritthäufigsten Ursache, der nicht angepassten Geschwindigkeit, verhielt es sich umgekehrt: Hier war dies mit zwölf Prozent in Tunneln ohne Gegenverkehr häufiger der Grund für einen Unfall als bei Gegenverkehr (sieben Prozent). Als vierthäufigster Grund wurde Übermüdung festgestellt. (APA)