Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.05.2019


Bezirk Landeck

Asinfag ermittel Lärmpegel in Stanz, Anrainer bleiben skeptisch

Externe Firma installierte Mikrophone am Perjentunnel und im Ortsteil Stampfle. Neuer Fahrbahnübergang bleibt laut Anrainer wirkungslos.

Am Westportal des Perjentunnels: Lkw sorgen für deutliche „Lärmspitzen“, vor allem in den Nachtstunden, wie betroffene Anrainer schildern. Ihre Wohnhäuser befinden sich einen Steinwurf von dieser Stelle entfernt.

© WenzelAm Westportal des Perjentunnels: Lkw sorgen für deutliche „Lärmspitzen“, vor allem in den Nachtstunden, wie betroffene Anrainer schildern. Ihre Wohnhäuser befinden sich einen Steinwurf von dieser Stelle entfernt.



Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck – Bewohner in der Stanzer Siedlung Stampfle hören und spüren es täglich: Die zweite Röhre des Perjentunnels, eröffnet am 15. Dezember 2018, beschert ihnen mehr Lärm als die alte Röhre. In der Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden sei vor allem der Lkw-Verkehr unerträglich. „Meine Familie leidet unter Schlafstörungen“, bringt Zahnarzt Alexander Rinner die Situation auf den Punkt. Neben der andauernden Lärmkulisse verspüre man auch Körperschall bzw. Vibrationen, ausgelöst durch Schwerfahrzeuge.

Am Donnerstagnachmittag hat die Asfinag ihre Zusage, den Lärmpegel zu messen, eingelöst. Doch schnelle Ergebnisse und damit mögliche Lärmschutzmaßnahmen sind nicht zu erwarten. Die Messung, Auswertung und Modellberechnung stellt sich für den Laien wie ein wissenschaftliches Projekt dar.

Zwei Messpunkte wurden in der Wohnsiedlung installiert, einer unweit des Tunnelportals.
Zwei Messpunkte wurden in der Wohnsiedlung installiert, einer unweit des Tunnelportals.
- Lärmmessung

Klaus Gspan von der Asfinag und der externe Experte Martin Sölder erläuterten: Man habe zwei Messpunkte im Wohngebiet und einen am Tunnelportal installiert. „Es ist eine Lärmuntersuchung in einem dreidimensionalen Geländemodell. Berechnet wird ein Mittelwert. Auch die in 15 Jahren zu erwartende Verkehrsfrequenz fließt in die Berechnung ein.“ Mit einer Videokamera wurde auch die Verkehrsfrequenz zwischen 16 und 17.30 Uhr erfasst. Die tägliche Frequenz beim Perjentunnel liege bei mehr als 14.000 Fahrzeugen, ein Anstieg sei zu erwarten.

Wenn die Grenzwerte von 60 Dezibel Dauerschallpegel in 24 Stunden bzw. 50 Dezibel zwischen 22 und 6 Uhr erreicht oder überschritten werden, müssten laut Asfinag bauliche Maßnahmen zum Schutz des Siedlungsraumes gesetzt werden. Die Auswertung der Messungen werde bis Ende Juni vorliegen. „Es wird dann Gespräche mit den Anrainern über mögliche Lösungen geben“, sagte Gspan. Die Lebensqualität der Anrainer sei ein Thema, das man ernst nehmen müsse.

Dass es für die Wohnsiedlung „nachhaltige Lösungen zur Verbesserung der Lebensqualität“ geben wird, glaubt Rinner derzeit nicht. Er fordert zusätzliche Messungen in den Nachtstunden, „weil die Hintergrundbelastung laut dem Tiroler Umweltmediziner Peter Lercher nicht wirklich über Verkehrsfrequenzen hochgerechnet werden kann“. Der von der Asfinag kürzlich neu installierte Fahrbahnübergang beim Tunnelportal, der das „Klack-Geräusch“ ausgelöst hat, zeige keinen positiven Effekt, sagte Rinner.