Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Bezirk Reutte

Sonntagsfahrverbot in Stanzach in aller Munde

In Stanzach wurde die Motorradlärmstudie der Bevölkerung vorgestellt. LR Ingrid Felipe kündigte weitere Maßnahmen an, hielt sich zum Missfallen des Publikums aber mit einem Sonntagsfahrverbot – noch – zurück.

Der Gemeindesaal in Stanzach war bis auf den letzten Platz gefüllt.

© Mittermayr HelmutDer Gemeindesaal in Stanzach war bis auf den letzten Platz gefüllt.



Von Helmut Mittermayr

Stanzach – Im Stanzacher Bürgermeister schlagen gleich drei Herzen. Hanspeter Außerhofer ist dennoch kein medizinisches Wunder. Er schilderte Donnerstagabend bei der Präsentation der Motoradlärmstudie Außerfern im bis auf den letzten Platz gefüllten Gemeindesaal in metaphorischer Weise die Problemstellung, die ihn in Sachen Motorradaufkommen bewegt. Herz Nummer eins als Touristiker freut sich über die Belebung des Tales. Nummer zwei erlebt als Feuerwehrler schlimme Momente, wenn Körper im Schüttelfrost auf Straßen liegen. Und die dritte Pumpe ist jene des Dorfchefs und der Anliegen seiner Bürger, die den Lärm schier nicht mehr aushalten.

Bei der von der Regionalentwicklung Außerfern (REA) organisierten Veranstaltung führte Studienautor Christoph Lechner gleich zu Beginn in die „Motorradlärmstudie Außerfern 2019“ ein, die ja – wie berichtet – einen enormen und bisher in der Literatur nicht bekannten Grad an subjektiver Belästigung der Bevölkerung ausgewiesen hatte. Fast 50 Prozent der Außerferner und Außerfernerinnen fühlen sich „stark belästigt“, fordern aber kein generelles Fahrverbot. Für Lechner war abschließend nur eine Maßnahme zielführend – den Versuchsballon Sonntagsfahrverbot auf Teilstrecken steigen zu lassen.

LHStv. Ingrid Felipe schloss sich dem an, wies aber auf die Hürden am Weg dorthin hin. „Ich bin am Suchen politischer Mehrheiten“, womit sie meinte, dass die Landesregierung dies mittragen müsse. „Und was ist an Feiertagen? Mit dem Ausweichverkehr? Wo wird gesperrt?“ – vieles müsse bedacht werden.

Schützenhilfe bekam die Landespolitikerin von Heiner Ginther (Obmann Planungsverband Lechtal und Naturpark Tiroler Lech). Der Elmer Bürgermeister ohne Scheu: „Versuchen wir das Sonntagsfahrverbot doch auf Teststrecken. Trauen wir uns!“

Moderator REA-GF Günther Salchner hatte dann alle Hände voll zu tun, um das Publikum zu beschwichtigen, als Felipe ankündigte, was als Ausfluss der Studie nun konkret kommen werde: die Ausweitung weiterer Geschwindigkeitsbeschränkungen, bewusstseinsbildende Maßnahmen und ein noch stärkerer Polizeieinsatz. Buhrufe begleiteten ihre Ausführungen. Felipe blieb beim großen Wurf trotzdem im Konjunktiv – „das Sonntagsfahrverbot wäre auszuloten“.

„Das ist doch alles gar keine politische Frage“, konterte Verkehrsrebell Fritz Gurgiser. Die Gesetzeslage würde weit mehr zulassen. Er erhielt an diesem Abend den größten Applaus im Saal, als er den Behörden durch ihr „Nichthandeln und Hinauszögern“ einen Grenzgang „nahe am Amtsmissbrauch“ vorwarf. Felipe ließ den Schwarzen Peter nicht bei den Bezirkshauptmannschaften und antwortete selbst: „Es gibt einen Rechtsrahmen und wir können nicht tun und lassen, was wir wollen.“ Viele Interessen seien zu berücksichtigen, die Problemstellung komplex. Auch das Gefährdungspotenzial spiele eine Rolle. 2018 habe es in Tirol 15 tote Motorradfahrer gegeben, davon 14 Männer, 14 Ausländer.

In der Publikumsrunde kritisierte ein Allgäuer aus Hindelang die „prinzipielle Kompromissdialektik“. Sperren würden die Region sofort befrieden. Ein Elmer fragte, warum die 60er-Beschränkung am Aufstieg zum Hahntennjoch nie kontrolliert werde. Bezirkspolizeichef Egon Lorenz erklärte, dass dies mit herkömmlichem technischen Gerät an dieser Stelle nicht möglich sei. IG-Xund’s-Lechtl-Sprecher Reinhard Oberohr findet die angekündigte Ausweitung der Geschwindigkeitsbeschränkungen wenig sinnvoll: „Das ist nicht unser Wunsch und war es auch nie. Denn es bringt nichts. Wir wollen endlich Ruhe.“