Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Exklusiv

Mit dem Auto durch Innsbruck: 72 Stunden pro Jahr im Stau

Im internationalen Vergleich staut es sich in Innsbruck gar nicht so oft. Trotzdem verliert jeder, der in der Stadt eine Stunde mit dem Auto unterwegs ist, laut dem TomTom-Traffic-Index 20 Minuten – tagtäglich.

Auch zu eher ungewöhnlichen Zeiten (wie im Symbolbild um 19.30 Uhr) staut es sich in Innsbruck dieser Tage sehr häufig.

© Thomas Boehm / TTAuch zu eher ungewöhnlichen Zeiten (wie im Symbolbild um 19.30 Uhr) staut es sich in Innsbruck dieser Tage sehr häufig.



Von Marco Witting

Innsbruck – Autofahrer sollten sich den 25. Dezember merken. Statistisch gesehen ist das jener Tag im Jahr, an dem in Innsbruck die geringste Wahrscheinlichkeit für ein hohes Verkehrsaufkommen besteht. Freie Fahrt auf allen Wegen. Sonst? Nicht so. Wie beispielsweise diese Woche, als es Mittwoch und Donnerstag ungewöhnlich viele verstopfte Straßen in der Landeshauptstadt gab. Zahlen, die wohl Autofahrer in der subjektiven Wahrnehmung wöchentlich unterschreiben würden. Doch diese Zahlen stammen aus dem TomTom-Traffic-Index, den der Navi-Hersteller jährlich erstellt – und dazu auch wöchentliche Zahlen liefert.

Für Innsbruck liegen derzeit die aktuellsten Jahreszahlen für das Jahr 2018 vor. Und wie es sich mit statistischen Werken so verhält, jeder kann daraus so seine Bestätigung ziehen. Denn im Vergleich zum Jahr 2017 ging im Vorjahr die Zahl der Verkehrsüberlastungen um rund ein Prozent zurück.

Andererseits: Jeder Autofahrer, der eine halbe Stunde durch Innsbruck fährt, steht laut TomTom im Stau – in der Früh neun Minuten, auf dem 30-minütigen Rückweg dann elf Minuten. Wer also in die Arbeit normalerweise hin und retour eine Stunde benötigen würde, verliert täglich 20 Minuten durch Verkehrsüberlastung. Statistisch gesehen, natürlich. Eine Spielerei ist daher auch die Gesamtschau. Bei rund 200 Arbeitstagen im Jahr (abzüglich Urlaub, Feiertage und Krankheiten) wären das pro Jahr über 72 Stunden im Stau – drei ganze Tage Lebenszeit also.

Die Positionen in der Innsbrucker Stadtpolitik zum Verkehr sind altbekannt und vielseitig dokumentiert. Zu viele Baustellen, zu wenig Vorfahrt für die Öffis – das politische Spektrum bietet ein breites Feld. Gerade der Sommer 2019 bietet wieder genügend Diskussionsstoff. So schlug ein aufmerksamer TT-Leser kürzlich Polizeistreifen an der Grassmayr-Kreuzung vor, um die undisziplinierten Autofahrer zu mehr Ordnung zu bewegen und damit die Staufolgen zu verringern. Gestern gab es laut der Webseite von TomTom 47 Prozent Verkehrsüberlastung und neun Stauzonen. Knackpunkt dabei innerstädtisch der Südring und der Abschnitt rund um die Klinik und Universität. Dazu kamen die Behinderungen auf der Autobahn in Richtung Brenner.

Stärkste Stauzeiten in Innsbruck sind übrigens Mittwoch und Donnerstag gegen 17 Uhr. In der Früh staut es sich am Montag am öftesten. Der staureichste Tag im Vorjahr war übrigens der 31. August, ein Freitag in den Ferien.

Wer jetzt glaubt, dass es sich in Innsbruck besonders viel staut und die Situation komplett außer Kontrolle ist, dem gibt die Liste des Navi-Herstellers eine ganz andere Einordnung. In Europa liegt Innsbruck bei Städten unter 800.000 Einwohnern auf Platz 106. Das ist in dieser Wertung österreichweit nur Platz 3, deutlich hinter Graz und Salzburg.