Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 18.08.2019


Verkehr

Umstellung auf Gleichstrom am Brenner verursacht Probleme

Im internationalen Bahnverkehr zwischen Österreich und Italien kommt es wiederholt zu Spannungsproblemen technischer Natur.

Deutsch-österreichische Kooperation: Der Zug nach Rimini kommt aus München.

© Foto TT/Rudy De MoorDeutsch-österreichische Kooperation: Der Zug nach Rimini kommt aus München.



Innsbruck, Brenner – „Das passiert leider immer wieder“, sagt die Mitarbeiterin im Zugrestaurant des EC etwas südlich des Brenners. Bis Bologna gibt es keine heißen oder gekühlten Getränke und warme Speisen mehr, dafür steigen die Temperaturen im Waggon, die Klimaanlage läuft nicht mehr. Es gibt Probleme mit dem Strom, und die lassen sich unterwegs auch nicht beheben. Es kommt aber auch vor, dass am Brenner die Lokomotive ausgetauscht werden muss, in solchen Fällen muss mit einer Stunde Wartezeit gerechnet werden. „Il locomotore è rotto, arriverà un altro da Innsbruck, durerà una ora circa“, lautet in solchen Fällen die Durchsage. Anstatt zu warten, steigen manche in einen italienischen Regionalzug um.

Grund für die wiederkehrenden Störungen sind die unterschiedlichen Stromsysteme, in Österreich wird Wechselstrom, in Italien Gleichstrom zur Versorgung der Fahrzeuge verwendet. „Die älteren Fahrzeuge reagieren sehr sensibel auf die häufig im Gleichstromnetz vorkommenden Spannungsschwankungen“, klärt ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder auf. „Wir können nur laufende Wartungen und Behebungen der anfallenden Störungen vornehmen.“

Fünfmal am Tag startet in München ein Eurocity-Direktzug Richtung Verona, Bologna, Venedig und seit zwei Jahren im Sommer auch bis Rimini. Das internationale Angebot ist eine Kooperation der ÖBB mit der deutschen Bahn. Anders wie früher, als noch die Lokomotive ausgetauscht werden musste, kann die Taurus-Mehrsystem-Lok weiterfahren, muss aber am Brenner alle Geräte aus- und dann auf Gleichstrom umschalten, dabei kann es zum Kurzschluss kommen. Rieder: „Bei Auftreten einer Störung an der Energieversorgungsanlage wird vorerst am Zug versucht, über einen Reset und einen Sicherungstausch den Mangel zu beheben. Ist das nicht möglich, wird das Fahrzeug ausgereiht und in der Werkstätte repariert.“ Der Zug selbst fährt aber weiter. Durchschnittlich trete das Problem alle zwei Wochen einmal auf.

Für die Brennerstrecke seien aber bereits neue Fahrzeuge bestellt worden, sie sollen ab Ende 2022 eingesetzt werden. „Dann gehören diese Störungen der Vergangenheit an.“ Bei der regelmäßigen Wartung wird auch die Funktionsfähigkeit der Energieversorgungsanlage getestet. Was bleiben wird, ist aber wohl der Lokführertausch, am Brenner übernimmt ein Italiener die ÖBB-Lok, auch der Zugchef für das Begleitpersonal wechselt. Die Italiener verlangen für diese Aufgabe Sprachkenntnisse auf Muttersprachenniveau. (ms)




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