Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.02.2018


Exklusiv

Wetterprophet: „Ich weiß, warum ich nicht computerisiert bin“

Die Schweizer Wetterschmöcker sind eine Institution. Roman Ulrich erklärt, warum der Winter nicht wollte, wie er sollte.

© WetterschmöckerDie Muotathaler Wetterschmöcker. Roman Ulrich (2. v. l.) ist noch in Ausbildung.Foto: Wetterschmöcker



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Der Winter war nicht ganz so, wie das Roman Ulrich, jüngstes Mitglied der Schweizer Wetterpropheten „Muotathaler Wetterschmöcker“ im Oktober 2017 vorausgesagt hat. Der Schweizer rechnete mit wenig Schnee, schwankenden Temperaturen und einem frühen Frühling. Ober er jetzt böse E-Mails von den überforderten Schneeschauflern bekommen habe, wollte ich von dem sympathischen Wetterfrosch wissen. „Ich weiß, warum ich nicht computerisiert bin, da kann man sich nicht per E-Mail bei mir beschweren“, sagt er lachend. Und das mit dem Frühling könne ja noch werden.

Jedes Jahr am 20. Oktober geben die sechs Hobbymeteorologen ihre Einschätzung des kommenden Winters ab. Jeder der Männer hat eine eigene Methode, um das Wetter vorauszusagen. Auch die Prognosen, zu denen sie gelangen, sind durchaus unterschiedlich. Wettermissionar Martin Horat prophezeite für die Wintermonate ausreichend Schnee und vor allem weiße Weihnachten. Ulrich bemüht indes die Relativität von Prognosen: „In manchem hatte ich Recht, in manchem eben nicht. Ich vertraue auf die Bauernregeln, ich dachte, der Schnee kommt nicht vor 27. Dezember. Ich habe gesagt, dass dann viel Schnee kommt, aber ich habe nicht geglaubt, dass er in solchem Ausmaß liegen bleibt“, sagt der Jungspund, der erst seit eineinhalb Jahren das Wetter zu erraten versucht.

Die Bauernregel „Weihnachten im Schnee, Ostern im Klee“ habe es nicht bis in die Schweiz geschafft, erklärt er. Wohl gebe es die Annahme, dass die Tage zwischen Weihnachten und 6. Jänner besonders zu beobachten seien. Vereinfacht gesprochen, könne man gemäß dem Verlauf des Wetters die Vorausschau für das ganze Jahr treffen. Jedem Tag werde ein Monat zugeordnet. „Es war bei uns aber in dieser Periode recht trüb, jetzt hoffe ich, dass es nicht das erste halbe Jahr so bleibt“, sagt der Wetterschmöcker, der froh zu sein scheint, wenn das Wetter ihm seine Prognosen widerlegt und besser ausfällt als erwartet.

Aktuell sind er und seine Mitstreiter schon mit dem Sommer beschäftigt. „Am 20. April werden wir unsere Tipps abgeben“, sagt Ulrich. Er will von mir wissen, ob ich bezüglich des Wetters im Sommer 2018 schweigen könne. Mein „Ja, natürlich“ quittiert er mit einem brummigen Lachen und einem „Ich auch“. Wichtig sei der Dreifaltigkeitstag, am Sonntag nach Pfingsten. So wie das Wetter an diesem Tag sei, bleibe es für sieben Sonntage. „Letztes Jahr war es föhnig, dann hat es sieben Sonntage geregnet“, bekennt Ulrich.

Vielleicht sollte er für die Prognose auf Schnecken (wie Horat) umsteigen? „Ich bin von den Bauernregeln überzeugt. Der Frühling kommt spätestens Mitte März, wetten?“