Letztes Update am So, 06.01.2019 19:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wetter

Viel Schnee, Sperren, Lawinengefahr: Winter hat Tirol fest im Griff

Hohe Lawinengefahr, Staus und Straßensperren hielten die Einsatzkräfte in Tirol auch am Sonntag auf Trab und forderten von Autofahrern und Passagieren gute Nerven.

Auch in Wattens und Volders stürzten mehre Bäume unter der Schneelast um.

© zeitungsfoto.atAuch in Wattens und Volders stürzten mehre Bäume unter der Schneelast um.



Innsbruck - Tirol durchlebte ein turbulentes Winter-Wochenende mit viel Neuschnee in den Tälern und Bergen. Auch der Sonntag stand im Zeichen von Verkehrsbehinderungen, Lawinensperren, Warnungen vor Outdoor-Aktivitäten und Problemen im Bahnverkehr.

Sperren im ganzen Land

Seit Sonntagfrüh gibt und gab es einige Sicherheitssperren wegen Lawinengefahr. In Osttirol ist immer noch die Felbertauernstraße zwischen Matrei und Mittersill in beiden Richtungen gesperrt, eine Lawine droht. Erst am Vormittag soll die weitere Lawinengefahr beurteilt werden, bis dahin bleibt die Sperre aufrecht. Für den Urlauberverkehr besonders bitter: Am Vormittag musste die Fernpass-Strecke kurzzeitig zwischen Nassereith und Reutte wegen der Lawinengefahr gesperrt werden. Auch die Gerlos Straße zwischen Zell am Ziller und Mittersill, die Zillertal Straße zwischen Mayrhofen und Ginzling und die Ziller-Brücke in Mayrhofen, die Kössener Straße zwischen St. Johann und Kössen, die Tuxer Landesstraße bei Hintertux sowie die Schmirner Landesstraße bei St. Jodok zwischen Schmirn und Kasern sind vorerst wegen drohender Lawinen gesperrt.

Probleme gibt es außerdem im Sellrain: Zwischen Kühtai und der Straßenkreuzung St. Sigmund wurde die Straße am Samstagabend in beiden Richtungen gesperrt, in der Früwurde eine Lawinensprengung durchgeführt, danach muss die Situation neu bewertet werden. Auch die Straße von Axams in die Axamer Lizum ist derzeit dicht. Ebenso wurde die L49 in Fügenberg wegen drohender Lawinengefahr gesperrt. Lawinen drohten außerdem im Ötztal: Die Venter Landesstraße zwischen Vent und Zwieselstein sowie die B186 zwischen Zwieselstein und Obergurgl wurde in beiden Richtungen gesperrt. Auf der Tiroler Seite des Arlbergs gibt es ebenfalls eine Sperre - nämlich zwischen der Straßenkreuzung Alpe Rauz und St. Christoph in beiden Richtungen.

Vorsicht gilt außerdem auf der L255 zwischen Absam/Wiesenhof und Gnadenwald/Martinsstube weil auch hier Lawinen drohen, eine vorsorgliche Sperre wurde eingerichtet.Gesperrt ist außerdem die Seefelder Straße bei der Staatsgrenze Scharnitz in beiden Richtungen. Zwischen Scharnitz und Scharnitzpass gilt ebenfalls in beide Richtungen eine Sperre. Im Außerfern gibt es neben dem Fernpass noch weitere Straßen mit erheblichen Verkehrsbehinderungen, etwa die Namloser Landesstraße, die zwischen Stanzach und Namlos gesperrt ist oder die Plansee Landesstraße, die zwischen Breitenwang und der Staatsgrenze Ammer Sattel derzeit nicht befahren werden kann.

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- ZOOM.TIROL

Die Lage bleibt auch im angrenzenden Bayern angespannt, was sich auch mit Behinderungen bis nach Tirol auswirkt: So ist die B307 zwischen Kössen und Marquartstein bei der Landesgrenze Schleching in beiden Richtungen gesperrt. Das gleiche Bild herrscht auf der B305 zwischen Ruhpoldingund Reit im Winkl: Auch hier gilt die Sperre in beide Richtungen.

Staus schon am frühen Morgen

Erschwerend zu den massiven Schneefällen und Lawinensperren kam am Wochenende auch noch der Ferienrückreiseverkehr hinzu. Während wie am Samstag einmal mehr die Grenze Kufstein/Kiefersfelden ein Stauhotspot mit mehreren Kilometern Rückstau war, gab es am Sonntag schon ab 6 Uhr Früh auf der Fernpassstraße beim Grenztunnel Füssen Wartezeiten. Im Bezirk Landeck gab es zwischen Kappl und Pians Stau wegen Verkehrsüberlastung.

Eine Fahrt mit Sommerreifen endete für einen Autolenker in Scharnitz im Tiefschnee.
Eine Fahrt mit Sommerreifen endete für einen Autolenker in Scharnitz im Tiefschnee.
- zeitungsfoto.at

Im Bezirk Innsbruck-Land kam es am Samstag und Sonntag entlang der Brennerautobahn zu Verzögerungen, auf exponierten Straßen wie am Zirlerberg oder ins Mittelgebirge mussten Kettenpflichten erlassen werden. Generell gilt auf vielen Straßen Tirols Kettenpflicht, Details dazu finden Autofahrer auf der Seite des ÖAMTC. Ein Autofahrer hat sich am Sonntag offenbar über die Kettenpflicht nicht informiert: Der Lenker war in Scharnitz mit Sommerreifen bei hochwinterlichen Bedingungen von der Straße abgekommen.

Flugverkehr weitgehend normalisiert

Auch im Flugverkehr sorgte der Schnee für "massive Einschränkungen", hieß es vom Flughafen Innsbruck. Alle Passagiere wurden gebeten, sich im Vorfeld bei ihrer jeweiligen Airline wegen des Fluges zu erkunden.

Die Schneeräumfahrzeuge am Flughafen Innsbruck standen am Samstag im Dauereinsatz.
Die Schneeräumfahrzeuge am Flughafen Innsbruck standen am Samstag im Dauereinsatz.
- APA/Gruber

Etliche Flüge wurden am Samstag umgeleitet, gestrichen oder hatten massive Verspätungen. Am Sonntag gab es vorsichtige Entwarnung: In der Früh hatte sich der Betrieb normalisiert. Allerdings könnte es durch Nebel und Schneefall auch heute zu Einschränkungen kommen.

Bahnstrecke Hochfilzen bleibt gesperrt

Probleme gab es am Sonntag dann im Tiroler Zugverkehr. In der Früh führte eine Oberleitungsstörung für Ausfälle bei Zugverbindung von Mittenwald nach Scharnitz. Ein Schienenersatzverkehr war wegen der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich, erklärte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair in einer Aussendung. Eine Oberleitungsstörung machte auch Probleme bei der Bahnstrecke zwischen Saalfelden und Hochfilzen. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet, Reisende mussten sich auf rund 60 Minuten zusätzliche Fahrzeit einstellen.

Auch im Bahnverkehr war am Sonntag Geduld gefragt, etwa in Hochfilzen.
Auch im Bahnverkehr war am Sonntag Geduld gefragt, etwa in Hochfilzen.
- ZOOM.TIROL

Die Bahnstrecke zwischen Saalfelden und Hochfilzen bleibt voraussichtlich bis Montagnachmittag unterbrochen. Zunächst hatte es so ausgesehen, als könnte der Oberleitungsschaden schneller behoben werden. "Bei den Reparaturarbeiten und Räumfahrten hat sich herausgestellt, dass durch steigende Temperaturen zahlreiche Bäume und Sträucher aufgrund der Schneelast in die Strecke hineinragen und damit einen sicheren Zugverkehr nicht möglich machen", so Gasser-Mair.

Wegen der starken Schneefälle meldeten die ÖBB außerdem aus Reutte, dass keine Zugfahrten in Richtung Garmisch möglich waren.

Schaufeln was das Zeug hält hieß es am Sonntag in Hochfilzen.
Schaufeln was das Zeug hält hieß es am Sonntag in Hochfilzen.
- ZOOM.TIROL

Lawinengefahr weiterhin groß, Stufe 4 am Sonntag

Lawinentechnisch war es am Sonntag bis zum frühen Nachmittag ruhig. Am Samstag hatten sich zwei Tourengeher bei Ehrwald selbst aus einer Lawine befreit, einer von ihnen wurde verletzt. In Tirol ist die Lawinengefahr am Sonntag weiterhin angespannt . Weiträumig gilt sogar die Stufe 4. Die Meteorologen erwarten bis Sonntagfrüh erhebliche Neuschneemengen. Dabei bleibt es windig , wodurch mit enormen Schneeverfrachtungen gerechnet wird. Aufgrund der aktuellen Schneesituation sind alle Lawinensperren auf der Innsbrucker Nordkette aktiviert. Auch die Arzler Alm ist vorübergehend geschlossen.

In Osttirol und in den südöstlichen Teilen Nordtirols an der Grenze zu Salzburg war bereits am Samstag Stufe 4 ausgegeben worden.

Baumsturzgefahr in Kufstein und Kitzbühel

Aufgrund der anhaltenden Schneefälle sind in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel einige Bäume unter der Schneelast umgestürzt. Wege und Straßen mussten daher vorübergehend gesperrt werden. „Das Baubezirksamt Kufstein arbeitet intensiv gemeinsam mit den Feuerwehren an der Beseitigung der Hindernisse", berichtet Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. „Ich rate der Bevölkerung, auf Waldspaziergänge zu verzichten und generelle Vorsicht im Freien walten zu lassen."

Auch das Auto sollte man möglichst nicht in Waldgegenden parken. Seitens der Bezirkshauptmannschaften Kufstein und Kitzbühel wurden alle Vorkehrungen getroffen, um allfällige Schäden so schnell wie möglich zu beseitigen und Folgeschäden zu verhindern, hieß es in einer Aussendung. Wegen umgestürzter Bäume kam es auch zu einem Stromausfall im Bereich der Unteren Schranne im Bezirk Kufstein. (TT.com)


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