Letztes Update am Di, 14.05.2019 15:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Bis zu -4 Grad in Tirol: Mai 2019 bricht derzeit Kälterekorde

In der Nacht auf Dienstag brachte Bonifatius Frost nach Tirol. Die Kalte Sophie kündigt am Mittwoch zum Ausklang der Eisheiligen den Kältehöhepunkt an, bevor ab Donnerstag wieder langsam der Frühling zurückkehrt. Der Mai 2019 dürfte laut einer Zwischenbilanz zu den kältesten der letzten 40 Jahre zählen.

Frost und Schnee im Mai: Diesen Ausblick in Mieming hat TT-Leser Manuel Kokseder festgehalten.

© Manuel KoksederFrost und Schnee im Mai: Diesen Ausblick in Mieming hat TT-Leser Manuel Kokseder festgehalten.



Innsbruck – Frost statt Frühling, bibbern statt baden – der Mai zeigt sich heuer dank der Eisheiligen von seiner kältesten Seite. Wie es aussieht, dürfte er sogar als einer der kühlsten Mai-Monate der letzten 40 Jahre in die Geschichte eingehen. In der Nacht auf Dienstag brachte Bonifatius bis zu minus 4 Grad nach Tirol, der Kältehöhepunkt steht aber mit der Kalten Sophie am Mittwoch noch bevor.

Minusgrade im Mai, Kältehöhepunkt am Mittwoch

Pünktlich zu den Eisheiligen eroberte heuer ein Kaltluftvorstoß Mitteleuropa, wie der Wetterdiest Ubimet berichtet. Wolken und Wind verhinderten jedoch bislang Frost. Dank windschwachen Verhältnissen und aufgelockerter Wolkendecke knackte Bonifatius in der Nacht auf Dienstag aber doch noch die Frostgrenze. Den Kälterekord in ganz Österreich stellte dabei St. Jakob in Defereggen auf, dort wurden minus 4,1 Grad gemessen.

Kälteste Orte pro Bundesland:

-4,1 Grad St. Jakob in Defereggen, Obergurgl (Tirol)

-4,0 Grad Obertauern (Salzburg)

-2,6 Grad Schoppernau (Vorarlberg)

-1,6 Grad Bärnkopf (Niederösterreich)

-1,1 Grad Summerau (Oberösterreich)

-0,5 Grad Flattnitz (Kärnten)

-0,4 Grad Mariazell (Steiermark)

+4,1 Grad Jubiläumswarte (Wien)

+4,6 Grad Bernstein (Burgenland)

Kältetechnisch legt der Mittwoch voraussichtlich sogar noch eine Schippe drauf, prophezeit Ubimet-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer: „Die Kalte Sophie bringt zwar keinen Frost, dafür wird der Mittwoch aber der kälteste Tag der Woche.“ Verhindert wird der Frost wiederum von hartnäckigen dichten Wolken. Immer wieder fallen einige Tropfen, oberhalb von rund 800 Meter Schneeflocken. Die besten Chancen auf Sonnenschein gibt es im Oberland. Über bis zu 12 Grad dürfen sich die Osttiroler freuen.

Besserung ab Donnerstag in Sicht

Nachdem die Eisheiligen den Rückzug angetreten haben, kehren ab Donnerstag wieder – wenn auch zunächst zaghaft – die Frühlingsboten zurück. Es bleibt zwar erst einmal unbeständig, die Temperaturen klettern aber im Laufe des Donnerstags auf bis zu 16 Grad. Auch die Schneefallgrenze wandert auf rund 1600 Meter.

Ähnlich lautet die Prognose für das Wochenende: föhnig und deutlich wärmer als zuletzt mit Temperaturen über 20 Grad, einzelne Wolken und Regenschauer dürften aber dazwischenfunken.

Halbzeit-Bilanz: Mai 2019 viel kälter als Vorjahre

Das Wetter ist ja bekanntlich Smalltalk-Thema Nummer 1 – besonders wenn es wie derzeit aus der Reihe tanzt. Da die meisten Monate in den letzten Jahren überdurchschnittlich warm ausfielen, stechen solche wie der heurige Mai besonders heraus, erklärt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Da wirkt dann jeder zu kühle Monat bereits ungewöhnlich.“ Der Mai 2019 ist jedoch „nicht nur ein wenig zu kühl, sondern liegt zur Halbzeit 3,2 Grad unter dem vieljährigen Mittel. Das gab es in den letzten Jahrzehnten nicht oft“, betont Orlik.

Berücksichtigen wir den Temperaturtrend für die nächsten Tage, könnte der Mai 2019 um etwa 2,5 bis 3,5 °C zu kalt ausfallen.
Alexander Orlik

Nach derzeitigem Stand dürfte der Mai 2019 sogar einer der kältesten der letzten 40 Jahre sein. „Zum Vergleich: Die letzten deutlich zu kalten Mai-Monate waren 2004 mit 1,8 Grad unter dem Mittel, 1991 mit 4,4 Grad, 1987 mit 3,0 Grad und 1980 mit 3,3 Grad unter dem Mittel“, führt der Klimatologe aus.

Unbeliebt, aber erfreulich für die Landwirtschaft: Auch die Niederschlagsmengen sind heuer überdurchschnittlich. Im Tiroler Unterland etwa regnete es bereits zwei bis drei Mal so viel wie in einer durchschnittlichen ersten Maihälfte. (kla)