Letztes Update am Di, 21.05.2019 16:05

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unwetter

Tirol, Vorarlberg, Schweiz: Regen löst Muren und Überschwemmungen aus

Tief „Alex“ bringt jede Menge Regen in die Schweiz, nach Österreich und Deutschland. Zahlreiche Feuerwehren rückten in der Nacht auf Dienstag wegen Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutschen aus.

Anhaltend starker Regen hat in Vorarlberg zu Murenabgängen sowie kleinräumigen Überflutungen und damit verbundenen Straßensperren geführt.

© ASFINAGAnhaltend starker Regen hat in Vorarlberg zu Murenabgängen sowie kleinräumigen Überflutungen und damit verbundenen Straßensperren geführt.



Reutte, Bregenz, St. Gallen, Berlin — Anhaltend starker Regen hat in Tirol und Vorarlberg zu Murenabgängen sowie kleinräumigen Überflutungen und damit verbundenen Straßensperren geführt. In Tirol traf es das Außerfern am stärksten: Nach einer Schlammlawine bzw. einem Erdrutsch waren die Plansee Landesstraße (L 255) zwischen Plansee und Linderhof und die L 21 wischen Namlos und Berwang am Dienstag gesperrt.

Seit Montag mussten die Vorarlberger Feuerwehren zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. In erster Linie mussten Keller ausgepumpt und Häuser gegen überlaufende Bäche gesichert werden, erklärte die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) auf APA-Anfrage. Kleinere Murenabgänge und kleinräumige Überflutungen führten zu Straßensperren. Verletzt wurde bisher niemand.

Wegen Überflutung gesperrt werden musste etwa die Auffahrt Dornbirn-Nord auf der Rheintalautobahn (A14) in Richtung Bregenz.
Wegen Überflutung gesperrt werden musste etwa die Auffahrt Dornbirn-Nord auf der Rheintalautobahn (A14) in Richtung Bregenz.
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In Teilen des Bregenzerwaldes fielen innerhalb von 24 Stunden über 140 Liter Regen pro Quadratmeter, auch im Raum Dornbirn waren es über 100 Liter pro Quadratmeter. Die Bregenzerach bei Kennelbach führte am Dienstagnachmittag Hochwasser, wie es laut Statistik lediglich im Abstand von fünf bis zehn Jahren vorkommt. Der Pegel des Bodensees legte seit Montag um 32 Zentimeter zu, er lag mit 369 Zentimetern aber noch rund sechs Zentimeter unter dem langjährigen Durchschnitt für diese Jahreszeit.

Der Schwerpunkt der Niederschläge lag im Norden des Landes. Bis Dienstagnachmittag wurden 74 Einsätze verzeichnet. Für Regenereignisse wie dieses sei das im normalen Rahmen, hieß es bei der RFL-Einsatzleitung: "Wir erwarten, dass es über Nacht noch in diesem Trott weitergeht und hoffen, dass es dann wieder ruhiger wird."

Murenabgänge wurden in Langen bei Bregenz, in Eichenberg (Bez. Bregenz) sowie im am Bödele gelegenen Dornbirner Stadtteil Ammenegg verzeichnet. Wegen Überflutung gesperrt werden musste die Auffahrt Dornbirn-Nord auf der Rheintalautobahn (A14) in Richtung Bregenz - "da ist ein Riesensee", hieß es am Nachmittag bei der Autobahnpolizei Dornbirn. Wieder freigegeben werden konnte hingegen die Überholspur in Fahrtrichtung Deutschland, die in diesem Bereich vorübergehend ebenfalls nicht befahrbar gewesen war. Eine weitere Straßensperre betraf die Senderstraße (L41) zwischen Lustenau und Wolfurt, die für den Verkehrsfluss im unteren Rheintal wichtig ist.

Überschwemmungen in der Ostschweiz

Der Dauerregen traf auch die Ostschweiz. Im Kanton St. Gallen mussten laut Polizei in sieben Gemeinden die Feuerwehren ausrücken, vor allem weil Wasser in Häuser eingedrungen war. Von den Überschwemmungen betroffen waren unter anderem der Hauptort St. Gallen. In Amden trat zudem ein Bach über die Ufer. Personen kamen laut Mitteilung der Polizei vom frühen Dienstag nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden.

Die Wetterbehörde Meteoschweiz warnte für die Gebiete am zentralen und östlichen Alpennordhang — zwischen Zentral- und Ostschweiz —teils vor erheblicher Regengefahr. Laut SRF Meteo fielen in den vergangenen 24 Stunden verbreitet über 50 Millimeter Regen, im Klöntal im Kanton Glarus wurden gar 73 Millimeter gemessen.

Im Frühverkehr kam es zu weitreichenden Verzögerungen.
Im Frühverkehr kam es zu weitreichenden Verzögerungen.
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Hochwasseralarm im Allgäu, steigende Pegel in Bayern

Das „Axel" genannte Tief traf auch Deutschland heftig: In Hessen und Nordrhein-Westfalen seien in sechs Stunden teilweise bis zu 50 Liter Regen gefallen, sagte Diplom-Meteorologin Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Dienstagfrüh. Und die Niederschläge gingen weiter.

In Baden-Württemberg löste die Stadt Wangen im Allgäu Hochwasseralarm aus. Der Fluss Obere Argen, der durch die Stadt fließt, habe den Auslösepegel für den Alarm von 2,30 Metern um 1.30 Uhr überschritten, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Behörden setzten einen Hochwasser-Einsatzplan in Kraft, verteilten Sandsäcke und richteten ein Bürgertelefon sowie einen Liveticker ein.

Mehrere Pegelstände in Bayern erreichten in der Nacht die Meldestufe 3 von 4, bei der Überflutungen einzelner bebauter Grundstücke oder vereinzelte Verkehrseinschränkungen zu erwarten sind. Örtlich hatten Meteorologen sogar mit Pegelständen der höchsten Warnstufe gerechnet, die wurden bis zum frühen Morgen allerdings nicht erreicht.

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz führte „Axel" zu sturmartigen Böen und vollgelaufenen Kellern. Auch in Hessen standen einige Keller unter Wasser, außerdem mussten mehrere Straßen zwischenzeitlich gesperrt werden. Die Autobahn 4 zwischen Herleshausen (Hessen) und Gerstungen (Thüringen) musste in einer Richtung wegen einer überfluteter Fahrbahn gesperrt werden. Auch in Thüringen liefen mehrere Keller voll, außerdem einige Turnhallen sowie ein Jugendclub. In Bayern gab es geflutete Keller und Straßen.

Wetterbesserung für Tirol ab Mittwoch

Ein kleiner Lichtblick folgt für Tirol ab Mittwoch: Der Tag beginnt noch trüb, von Westen her steigt aber langsam der Luftdruck und setzt dem Dauerregen ein Ende. Die Temperaturen klettern etwas nach oben und erreichen bis zu 19 Grad. Zwar ziehen immer noch da und dort Schauer durch, insgesamt lockert es aber auf. Besonders in Osttirol und im Oberland lässt sich die Sonne blicken. Ähnlich geht es am Donnerstag weiter, bei Temperaturen um 20 Grad bleibt es weitgehend trocken, schwachen Regen gibt es lediglich im Unterland. (TT.com, APA/sda/dpa)