Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Tirol

Wetter im Mai: Verlierer und Gewinner im nasskalten Wonnemonat

Sonnenanbeter fühlen sich heuer um einen ganzen Frühlingsmonat beraubt. Groß hingegen ist die Freude bei Gletscherforschern.

Im Innsbrucker Tivoli-Bad will dieser Tage nicht so recht Badestimmung aufkommen. Vereinzelte Mutige springen dennoch ins Wasser.

© Foto TT/Rudy De MoorIm Innsbrucker Tivoli-Bad will dieser Tage nicht so recht Badestimmung aufkommen. Vereinzelte Mutige springen dennoch ins Wasser.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Zu nass und im Vergleich zu anderen Jahren um zwei bis drei Grad zu kühl. Der Mai 2019 wird Freunden des sonnigen und milden Frühlings in schlechter Erinnerung bleiben – ein deutlicher Kontrast zum Mai des Vorjahres, der in Österreich der wärmste seit 150 Jahren war, wie der Wetterdienst Ubimet erinnert. Wie unterkühlt der Monat war, zeigt auch die Tatsache, dass in Innsbruck ebenso wie in Lienz bislang erst ein Sommertag zu verzeichnen war. Normalerweise gibt es in der Tiroler Landeshauptstadt im Mai durchschnittlich sieben solcher Tage mit mehr als 25 Grad im Mai – 2018 waren es sogar 15.

Die Betreiber der Tiroler Freibäder zeigen sich dieser Tage trotz des ins Wasser gefallenen Saisonstarts entspannt. „Wir freuen uns natürlich über schönes Wetter und Badegäste im Frühling. Aber erst, wenn die Schulen zu sind, machen wir unser Hauptgeschäft“, erklärt Bernhard Wanner, Fachgruppengeschäftsführer der Tiroler Bäder in der Wirtschaftskammer. Betriebswirtschaftlich bestehe daher kein Grund zur Sorge. Ob eine Saison gelingt oder nicht, hänge letztlich von längeren Schönwetterperioden in der Ferienzeit im Juli und August ab.

Während die Bäderbetreiber das Wetter also gelassen hinnehmen, dürften Eisverkäufer und Hüttenwirte dieses durchaus empfindlich zu spüren bekommen. Schließlich sind es vor allem die Almen, die an den Wochenenden und Feiertagen vor der Haupturlaubszeit einen großen Teil ihrer Umsätze machen.

Losgelöst von wirtschaftlichen Überlegungen gibt es dennoch einen klaren Gewinner des trüben Monats: die Gletscher. Gletscherforscherin Andrea Fischer macht keinen Hehl aus ihrer Freude über den nassen und kühlen Mai: „Von mir aus könnte es den ganzen Sommer so bleiben.“ Denn die Niederschläge, die in großen Höhen als Schnee vom Himmel fallen, legen sich wie ein weißer Schutzmantel auf die Gletscher – die ideale Abschirmung vor Sonneneinstrahlung und Hitze. Je später es im Gebirge ausapert, desto weniger würden die Gletscher über den Sommer an Substanz verlieren, erklärt Fischer. In den vergangenen Jahren seien die kühlen Frühlinge immer seltener geworden – ein Hauptgrund für die Gletscherschmelze.

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Klimawandel bremst Jetstream ab

Wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven nun belegt haben, ist der Klimawandel bzw. der Rückgang des arktischen Meereises verantwortlich für das Schwächeln des Jetstreams. Dieser wehte laut AWI in zehn Kilometern Höhe am Äquator rund um die Erde. Da er langsamer wird, schlängelt sich der Jetstream inzwischen öfter in Wellen über die Nordhalbkugel. Das bringt im Winter starke Kälte und im Sommer lang anhaltende Trockenheit nach Europa, Asien und Nordamerika. (APA, AFP)




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