Letztes Update am Fr, 28.06.2019 16:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hitzewelle

Allzeit-Rekorde und Todesopfer: Europa stöhnt unter Gluthitze

Während hierzulande am Wochenende wieder Temperaturen um die 37 Grad herrschen sollen, ist die Lage in Frankreich und Spanien noch deutlich extremer. Für Österreich steht fest: Es ist der heißeste, sonnigste und trockenste Juni der Messgeschichte.

Bei Temperaturen jenseits der 40 Grad in Spanien und Frankreich lechzen die Menschen nach Abkühlung.

© AFPBei Temperaturen jenseits der 40 Grad in Spanien und Frankreich lechzen die Menschen nach Abkühlung.



Paris, Madrid — Die extreme Hitzewelle hat weite Teile Europas fest im Griff. Während in Tirol die Höchsttemperaturen am Freitag im Vergleich zum Vortag auf noch immer schweißtreibende 33 Grad zurückgingen, wurde etwa in Frankreich ein neuer Allzeit-Rekord aufgestellt. Unfassbare 45,1 Grad wurden um 15 Uhr in Villevieille im südfranzösischen Departement Gard gemessen.

Frankreich hatte schon kurz vorher einen neuen Hitzerekord aufgestellt: Im südlichen Carpentras wurden am frühen Nachmittag 44,3 Grad Celsius gemessen - 0,2 Grad mehr als im mörderischen Hitzesommer 2003. Die Straßen der 30.000-Einwohner-Stadt nordöstlich von Avignon waren zu dem Zeitpunkt bereits seit Stunden wie leer gefegt.

Erstmals galt für vier Departements im Süden Frankreichs, darunter auch in Gard, Alarmstufe "rot" und damit besondere Schutzmaßnahmen gegen die Hitze. Besonders alte Menschen und kleine Kinder gelten als gefährdet: Im August 2003 wurden in Frankreich rund 15.000 Todesfälle mit der Hitze in Verbindung gebracht.

Hitzetote in Spanien

In Spanien hat die Gluthitze jenseits der 40 Grad bereits erste Todesopfer gefordert. Ein 17 Jahre alter Landarbeiter habe am Donnerstag in der Provinz Córdoba bei der Ernte einen Hitzschlag erlitten und sei am Freitag wenige Stunden nach einer Notoperation im Krankenhaus gestorben, berichteten Medien unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden. In Valladolid nordwestlich von Madrid erlag ein 93 Jahre alter Mann bei einem Spaziergang am Donnerstagabend einem Hitzschlag, wie die Polizei mitteilte.

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In Murcia im Osten Spaniens lag unterdessen ein 45-jähriger Landarbeiter, der ebenfalls einen Hitzschlag erlitt, in kritischem Zustand im Krankenhaus. Die Regionalregierung von Katalonien im Nordosten Spaniens verbot am Freitag zunächst für 48 Stunden alle Erntearbeiten.

Alarmstufe Rot für 23 spanische Regionen

Aufgrund der Hitze hat der spanische Wetterdienst Aemet für Freitag in 23 Regionen im Norden und im Nordosten des Landes Alarmstufe Rot ausgerufen. Dort wurden am Nachmittag Höchsttemperaturen von bis zu 43 Grad erwartet. Betroffen sind verschiedene Regionen in insgesamt sieben Provinzen: Barcelona, Huesca, Saragossa, Girona, Lleida, Navarra und La Rioja.

Alarmstufe Rot im Juni sei auch für Spanien äußerst ungewöhnlich, wurde Aemet-Sprecher Rubén del Campo in der Onlineausgabe der Zeitung El País zitiert. In der Hauptstadt Madrid sollte die Quecksilbersäule am Freitag auf 41 Grad, am Samstag sogar auf 42 Grad klettern. Auf Mallorca soll es Samstag und Sonntag 38 Grad geben. Auch in Deutschland und Italien macht die enorme Hitze den Menschen dieser Tage zu schaffen.

Hitzewelle endet in Tirol am Dienstag

Hierzulande wird es ab Samstag laut ZAMG mit bis zu 35 Grad wieder heißer, am Sonntag soll sogar wieder die 37-Grad-Marke fallen. Am Montag bleibt es zunächst noch heiß, aber zum Abend hin werden vor allem im Westen Österreichs kräftige Gewitter erwartet. Am Dienstag ist es dann mit der großen Hitze mit Höchsttemperaturen um die 28 Grad vorbei.

Heißester und trockenster Juni der Messgeschichte

Was jetzt schon mit Sicherheit gesagt werden kann: Der diesjährige Juni war der heißeste, sonnigste und trockenste der Messgeschichte. Die Temperatur lag laut ZAMG 4,7 Grad über dem Mittel, während es 57 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt gab.

Auch der österreichweite Rekord an Hitzetagen mit mindestens 30 Grad in einem Juni dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit noch fallen. Er liegt bisher bei 15 Hitzetagen im Juni 2003, die in Haiming in Tirol und in Leibnitz in der Steiermark erreicht wurden. Vor allem an den Wetterstationen Langenlebarn (Niederösterreich), Wien-Innere Stadt und Innsbruck-Universität könnte dieser Rekord bis zum Monatsende noch überboten werden. (TT.com, APA/dpa)