Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Klima

Unwetter, Hochwasser, Hitze: Ein Sommer der Extreme in Tirol

In Niederndorf hat starker Regen in der Nacht auf gestern zu Überschwemmungen geführt. Die kommenden Tage werden laut Meteorologen „außergewöhnlich durchschnittlich“.

Mit Sandsäcken und Pumpen kämpfte die Freiwillige Feuerwehr Niederndorf gegen das Wasser.

© ZOOM.TIROLMit Sandsäcken und Pumpen kämpfte die Freiwillige Feuerwehr Niederndorf gegen das Wasser.



Niederndorf, Innsbruck – Das Schlimmste ist vorüber. Nachdem Muren, Windwurf und Steinschläge am Wochenende im Tiroler Unterland die Einsatzkräfte auf Trab hielten, normalisiert sich die Situation zusehends. In der Nacht auf gestern hat starker Regen in Niederndorf und Umgebung noch zu einigen Überschwemmungen geführt. In den kommenden Tagen wechseln sich laut Meteorologen Sonnenschein und Regen ab.

120 Liter Regen pro Quadratmeter fielen von Sonntag- bis Montagmorgen am Niederndorferberg, berichtete gestern die Österreichische Unwetterzentrale. In dem Gebiet sind in der Nacht auf gestern mehrere kleine, für gewöhnlich trockene Bäche und Zuläufe übergelaufen. Felder wurden dadurch geflutet. Die Niederndorfer Feuerwehr musste zu einem Rohbau ausrücken, dessen Keller geflutet wurde. Ansonsten konnten – vor allem durch das schnelle Eingreifen der Einsatzkräfte – gröbere Schäden verhindert werden.

„Entspannt ist man nach so einer Nacht nicht, aber die Lage beruhigt sich“, sagte Christian Ritzer, Bürgermeister von Niederndorf, gestern Vormittag. „Die Einsatzkräfte haben die ganze Nacht ausgeharrt, die Aufräumarbeiten dauern noch an. Wir sind dankbar, dass alles so gut abgelaufen ist.“ Die Zusammenarbeit der Rettungskräfte, betont Ritzer, sei bemerkenswert gewesen.

Hochwasser, Unwetter, Hitzewellen – erlebt Tirol gerade einen Sommer der Extreme? „Durchaus“, sagt Alexander Radlherr von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die Gewitter der letzten Tage seien im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar nicht sonderlich außergewöhnlich, aber hohe Temperaturen und die Inn-Fluten im Juni sehr wohl. „Der Juni war im Schnitt um vier Grad Celsius zu warm, der Juli um knapp zwei Grad. Da merkt man die Auswirkungen des Klimawandels“, klärt Radlherr auf. Mit den Extremen ist es aber erstmal vorbei, weiß der ZAMG-Experte: „In den kommenden Tagen wird es außergewöhnlich durchschnittlich. Es ist bewölkt, teilweise gibt es Regen und Gewitter und auch die Sonne kann hin und wieder scheinen.“

Gestern veröffentlichte die ZAMG außerdem eine erste Bilanz des langsam ausklingenden Monats. Bundesweit wird es einer der zehn wärmsten Julis seit Beginn der Aufzeichnungen. Es ist bereits der fünfte Juli seit dem Jahr 2000, der in diese Kategorie fällt. Die höchste Temperatur in Tirol wurde am 24. Juli mit 36,7 Grad Celsius im Bereich der Universität gemessen. Das Monatsmittel am selben Ort betrug 20,7 Grad Celsius – das sind 1,5 Grad mehr als im langjährigen Schnitt. Die meisten Sonnenstunden (233) wurden in Rinn verzeichnet. Außerdem war es in Tirol im vergangenen Monat sehr trocken, es fielen 21 Prozent weniger Regen als gewöhnlich. (bfk, jazz)


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