Letztes Update am Mo, 05.08.2019 16:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wetter

Juli 2019 weltweit heißester Monat seit Messbeginn

Der vergangene Juli war nach EU-Angaben weltweit der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Österreich wurde im vergangenen Monat zwar kein Hitzerekord aufgestellt, allerdings lag er auch deutlich über einem durchschnittlichen Juli.

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© Thomas Böhm(Symbolfoto)



Paris — Der vergangene Juli war nach EU-Angaben weltweit der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Angesichts des fortgesetzten Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen seien weitere Hitzerekorde in der Zukunft zu erwarten, teilte der von der EU betriebene Copernicus-Dienst zur Überwachung des Klimawandels am Montag mit.

Copernicus-Chef Jean-Noel Thibaut erklärte, der Juli sei üblicherweise weltweit der heißeste Monat des Jahres. Die Temperaturen im Juli 2019 hätten aber noch knapp über jenen im bisher heißesten Monat Juli 2016 gelegen. Demnach betrug der Anstieg im Vergleich zum Juli 2016 0,04 Grad. 2016 galt bisher - auch wegen des damals besonders starken Klimaphänomens El Nino - als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Der Schwerpunkt der beiden Hitzewellen lag mit Höchstwerten über 40 Grad und zahlreichen Rekorden im Westen Europas, vor allem in Frankreich, in Deutschland und in den BENELUX-Ländern.

Auch in Arktis, Alaska und Grönland ungewöhnlich warm

Auch in der Arktis waren die Temperaturen ungewöhnlich hoch. Im Vergleich zu den Vergleichsmonaten der Jahre 1981 bis 2010 lagen die Temperaturen in Alaska, Grönland, Sibirien, Zentralasien, dem Iran und weiten Teilen der Antarktis am meisten über dem Durchschnitt. Auch im Großteil Afrikas sowie Australiens wurden weit überdurchschnittliche Temperaturen gemessen.

Angesichts der minimalen Veränderung zum Juli 2016 schloss der Copernicus-Dienst nicht aus, dass andere Institute wie etwa der Klima-Überwachungsdienst der US-Regierung NOAA die Durchschnittstemperatur des vergangenen Juli als gleich hoch oder sogar niedriger als jene im Juli vor drei Jahren angeben. Die Werte aus den globalen Datensätzen verschiedener Institute variierten in der Regel, erklärte der Copernicus-Dienst.

Die vergangenen vier Jahre waren weltweit die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter stiegen die Temperaturen weltweit bereits um ein Grad an. Im Pariser-Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Unterzeichnerstaaten darauf verständigt, den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Hitzerekord in Österreich nicht erreicht

In Österreich lag der Juli um 1,7 Grad über einem durchschnittlichen Juli. Damit ist es bereits der fünfte Juli der 2000er-Jahre, der unter den zehn wärmsten der 253-jährigen Messgeschichte liegt.

Die Höchsttemperatur blieb mit „nur" 38,8 Grad in Krems am 1. Juli doch deutlich unter dem Hitzerekord (40,5 °C am 8.8.2013 in Bad Deutsch-Altenburg, N).

Die Hitzewellen sorgten aber für eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Tagen mit mindestens 30 Grad. In einigen Regionen gab es rund doppelt so viele Hitzetage wie in einem durchschnittlichen Juli. An der Spitze der Landeshauptstädte liegt die ZAMG-Wetterstation Wien Innere Stadt (Juli 2019 13 Hitzetage, im vieljährigen Mittel 9) vor Innsbruck Universität (Juli 2019 12, Mittel 7) und Klagenfurt (Juli 2019 12, Mittel 6).

30 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel

Im Juli gab es außerdem um rund 30 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel. Größere Regenmengen fielen meist nur bei schweren Gewittern und gegen Ende des Monats stellenweise mit Dauerregen im Westen und Süden Österreichs. Seit Jahresbeginn ist es damit besonders in der Osthälfte Österreichs größtenteils um 10 bis 40 Prozent zu trocken.

Übersicht: TIROL im JULI 2019

Niederschlagsabweichung: -21%

Temperaturabweichung: +1.5 °C

Abweichung der Sonnenscheindauer: -3%

Temperaturhöchstwert Innsbruck-Uni. (578 m): 36.7 °C am 24.7.

Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Brunnenkogel (3437 m) -5.0 °C am 13.7.

Temperaturtiefstwert unter 1000 m Ehrwald (982 m): 4.8 °C am 11.7.

höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m): 20.7 °C, Abw. +1.5 °C

höchste Sonnenscheindauer Rinn (924 m): 233 h, Abw. -3 %

In den letzten Tagen des Monats kam es mit einem Luftmassenwechsel vor allem im Westen und Süden vermehrt zu Regen und daher fiel das Niederschlagsdefizit hier nicht so groß aus wie in den anderen Teilen des Bundesgebietes. In Vorarlberg, Nordtirol und Salzburg waren die Regenmengen leicht unterdurchschnittlich bzw. lagen um den Mittelwert.

Rechnereien zur möglichem Sommerbilanz

Wie der August verlaufen wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Aber mögliche August-Szenarien zeigen, wie ungewöhnlich hoch das Temperatur-Niveau heuer ist. „Selbst wenn der August ganz durchschnittlich verläuft, also im Bereich der Klimaperiode 1981 bis 2010 liegt, dann ist der drittheißeste Sommer der Messgeschichte möglich", sagt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. „Verläuft der August so warm wie ein durchschnittlicher August in den letzten zehn Jahren, dann wird es Platz 2. Selbst Platz 1 ist noch möglich. Ist der August 2019 um 1,8 Grad über dem Mittel, dann liegt der Sommer 2019 gemeinsam mit dem Sommer 2003 an der Spitze." (APA, AFP, TT.com)