Letztes Update am Di, 13.08.2019 06:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Imst

Wirbelsturm deckte Dächer ab: Unwetter wütete in Mieming

Nur kurz dauerte das Gewitter in der Nacht auf Montag, zog durch Mieming aber eine „Schneise der Verwüstung“, erzählt der Bürgermeister. Bäume wurden entwurzelt, Gebäude beschädigt.

Bei diesem Haus sorgte die Gewitterfront für schweren Schaden.

© Zeitungsfoto.at/LieblBei diesem Haus sorgte die Gewitterfront für schweren Schaden.



Von Benedikt Mair

Mieming, Innsbruck – Was in der Nacht auf Montag in Mieming passiert ist, kann Franz Dengg auch Stunden später noch nicht richtig fassen. „Ich habe bei mir zu Hause die Fenster geöffnet und wusste nicht, wo der Wind herkommt, so heftig und ungewöhnlich war das“, erzählt der Bürgermeister der Oberländer Gemeinde. So etwas habe er in all den Jahren nie erlebt, am ehesten passe der Begriff „Weltuntergangsstimmung“.

Gegen zwei Uhr Früh zog ein starkes Unwetter über den Ort, vermutlich ein Wirbelsturm. Zwei Wohnhäuser wurden abgedeckt, bei mehreren Wirtschaftsgebäuden flogen die Dächer ebenso davon, zahlreiche Bäume stürzten um. Verletzt wurde niemand. Der Schaden kann noch nicht genau beziffert werden, dürfte aber enorm sein. Zwei Nachbargemeinden waren ebenfalls betroffen: In Mötz gab es einen Wasserschaden, ein umgestürzter Baum musste in Stams von der Straße entfernt werden. Und auch in anderen Teilen des Oberlandes, etwa in Telfs, Pfaffenhofen, Oberhofen oder Flaurling, gab es Gewitter, mancherorts hagelte es.

„Kurz aber heftig.“ So versucht Alexander Sagmeister die Ereignisse der vorangegangenen Nacht Montagmittag zu umschreiben. Das Ausmaß der Zerstörung lässt für den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Mieming nur einen Schluss zu: „Es muss eine Windhose durch das Dorf gezogen sein.“

Die Feuerwehr hatte nach dem schweren Unwetter alle Hände voll zu tun.
Die Feuerwehr hatte nach dem schweren Unwetter alle Hände voll zu tun.
- Zeitungsfoto.at/Liebl

Innerhalb kürzester Zeit sei die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen gerufen worden, trotz drohender Gefahr habe man bereits, kurz nachdem der Sturm abgeklungen war, mit den Sicherungsmaßnahmen begonnen. 60 Feuerwehrleute rückten aus, unterstützt wurde die Mieminger Wehr von den Kollegen aus Silz. „Wir haben deren Drehleiter angefordert, damit wir auch aus der Luft die Lage begutachten konnten. Derzeit“, sagt Sagmeister gestern kurz nach 13 Uhr, „sind wir immer noch dabei, die Schäden zu beseitigen. Die beiden betroffenen Wohnhäuser wurden abgedichtet, damit kein Wasser einfließen kann.“

Auch Bürgermeister Dengg teilt Alexander Sagmeisters Einschätzung und vermutet, dass ein Wirbelsturm durch seine Gemeinde gezogen ist: „Von Untermieming beginnend bis nach Obermieming hat der Wind eine Schneise der Verwüstung gezogen.“ Dass niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder, denn in beiden betroffenen Wohngebäuden haben sich Menschen aufgehalten. „Bei einem Haus stürzte der Kamin auf das Dach. Die Familie wurde so aus dem Schlaf gerissen, steht natürlich unter Schock. Aber die Solidarität in den Nachbarschaften ist groß“, berichtet Dengg. „Wenn alles dicht ist, kein Wasser in die Räume eindringt, können die Familien in ihr Zuhause zurückkehren.“

Hagelkörner prasselten unter anderem auf Oberhofen nieder.
Hagelkörner prasselten unter anderem auf Oberhofen nieder.
- Witting

War es aber wirklich eine Windhose oder ein Wirbelsturm, der im 3300-Seelen-Ort gewütet hat? „Das Ausmaß der Zerstörung deutet darauf hin“, sagt Susi Lentner von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck. „Um das zu 100 Prozent beurteilen zu können, bedürfe es aber einer genauen Analyse.“ Das Unwetter in Mieming nennt die Meteorologin „außergewöhnlich. Aber entgegen einer weitläufigen Meinung können solche Stürme auch nachts auftreten. Es hat einfach alles zusammengepasst.“ Gab es gestern Abend und bis heute in die frühen Morgenstunden noch in manchen Teilen des Landes starken Regen, „ist ab heute Dienstag der Spuk endgültig vorbei“, prognostiziert Lentner. „Die Unwetterfront zieht nach Osten weiter. In Tirol kann nur noch vereinzelt Regen fallen.“

Auch ein zweites Haus wurde in Mieming massiv beschädigt.
Auch ein zweites Haus wurde in Mieming massiv beschädigt.
- Zeitungsfoto.at/Liebl