Letztes Update am Di, 08.12.2015 13:10

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Spanien und Kolumbien wollen im Schatz-Streit verhandeln

Der Streit um die in der Karibik entdeckte Galeone „San José“ soll diplomatisch gelöst werden. Beide Staaten machen Rechte an dem in dem Wrack vermuteten Milliardenschatz geltend. Und auch eine US-Firma erhebt Ansprüche.

Das Schiff "San José" war 1708 nach einem Gefecht mit einem englischen Flottenverband vor der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena gesunken. An Bord sollen Goldmünzen und Smaragde im Wert von 3 bis 17 Milliarden US-Dollar gewesen sein.

© APA/EPA/EFE/COLOMBIA MINISTRYDas Schiff "San José" war 1708 nach einem Gefecht mit einem englischen Flottenverband vor der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena gesunken. An Bord sollen Goldmünzen und Smaragde im Wert von 3 bis 17 Milliarden US-Dollar gewesen sein.



Bogotá, Alicante – panien und Kolumbien wollen nach der Entdeckung eines Schiffswracks in der Karibik über den darin vermuteten Milliardenschatz verhandeln. Wie in der Nacht zum Dienstag aus dem Madrider Kulturministerium verlautete, verständigte sich der spanische Staatssekretär José María Lassalle in einem Telefongespräch mit der kolumbianischen Kulturministerin Mariana Garcés darauf, den Streit um das Wrack der spanischen Galeone „San José“ auf diplomatischem Wege beizulegen.

Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo solle mit seiner kolumbianischen Amtskollegin María Angela Holguín Gespräche führen. Beide Länder hatten zuvor Ansprüche auf das Schiff erhoben, das 1708 nach einem Gefecht mit einem englischen Flottenverband vor der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena gesunken war. An Bord sollen Goldmünzen und Smaragde im Wert von 3 bis 17 Milliarden US-Dollar gewesen sein. Bislang konnten Wissenschaftler allerdings nur Kanonen und Keramikgefäße mit einer Unterwasserkamera filmen.

Spanien stützt seine Ansprüche unter anderem auf eine Konvention der Unesco über den Schutz von Gütern auf dem Meeresgrund. Nach diesem Abkommen gehörten gesunkene Kriegsschiffe dem Staat ihrer Herkunft, argumentiert die Regierung in Madrid. Kolumbien wies demgegenüber darauf hin, dass es die Konvention nicht unterzeichnet habe.

„Die San José ist in kolumbianischen Gewässern gefunden worden“, sagte der kolumbianische Politik-Berater Gonzalo Castellanos in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Zeitung „El Tiempo“. „Es gibt keine juristische Handhabe, die Kolumbien dazu zwingt, der Sichtweise von Spanien zu folgen.“ Auch die Ansprüche der US-Firma Sea Search Armada (SSA), die das Wrack bereits in den 1980er Jahren geortet haben will, hält Castellanos für unbegründet.

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Der Experte, der an der Ausarbeitung der Gesetze zu untergegangenen Kulturgütern mitgearbeitet hat, plädiert zudem für einen weniger von wirtschaftlichen Interessen geleiteten Blick auf den Fund. „Die Galeone „San José“ ist ein Kulturgut des Landes und der Menschheit. Sie ist kein Schatz oder etwas wie Ölvorkommen, die exportiert und verkauft werden können.“ (dpa)