Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.08.2016


Osttirol

Auf der Hochebene ging es in die Tiefe

Beim und im Alkuser See hoch über Ainet wird im Jubiläumsjahr der Forschungen wieder archäologisch Hand angelegt. Wasserretter unterstützten bei Tauchgängen erstmals mittels Metalldetektor die Spurensuche.

Am Samstag tauchten Männer der Wasserrettung zur Spurensuche im Alkuser See ab.

© IngruberAm Samstag tauchten Männer der Wasserrettung zur Spurensuche im Alkuser See ab.



Von Claudia Funder

Ainet – Es sind Paradefundplätze, Hotspots der Hochgebirgsforschung in Österreich: die von Bergketten umsäumte Hochebene Potschepol und das noch höher gelegene Plateau mit dem Alkuser See in Ainet. Das Wissen um die Vergangenheit der Gemeinde konnte in den letzten Jahren deutlich geschärft werden.

Den Stein für die wissenschaftliche Arbeit in diesen exponierten Bereichen buchstäblich ins Rollen gebracht hatte eine beschriftete römische Steinplatte, die am Alkuser See in 2432 Metern Höhe bereits in den 1970er-Jahren entdeckt worden war. Aber erst 2003 fiel das spannende Schriftrelikt Harald Stadler, seit 2013 Leiter des Instituts für Archäologien der Uni Innsbruck, in die Hände. Dem Experten war sofort klar: Wenn die Platte dort oben lag, mussten auch Menschen vor Ort gewesen sein.

Harald Stadler (rechts) mit seinem Team an jener Stelle, an der eine der Fibeln aus dem 1. Jhdt. entdeckt wurde.
Harald Stadler (rechts) mit seinem Team an jener Stelle, an der eine der Fibeln aus dem 1. Jhdt. entdeckt wurde.
- Stadler

2006 startete auf Stadlers Initiative die erste Grabungskampagne mit dem Ziel, Überbleibsel aus römischer und vorgeschichtlicher Zeit ans Tageslicht zu holen – was eindrucksvoll glückte. Seit damals werden die beiden Areale, die noch viele Geheimnisse bergen, jedes Jahr im Spätsommer mit Grabungen unter die Lupe genommen.

Zehn Jahre nach Start der Forschungen ist derzeit – quasi im Rahmen einer Jubiläums-Grabungskampagne – erneut ein zehnköpfiges Team um Harald Stadler vor Ort. Es gilt, weitere Fragen rund um den Alkuser See, mit 48 Metern einer der tiefsten Bergseen Tirols, zu klären.

Heuer schreitet man länger als bei bisherigen Kampagnen zur Tat, nämlich gleich drei Wochen. Und das mit einem frühen Erfolgserlebnis: „Bereits am zweiten Tag stießen wir auf zwei römische Bronzefibeln aus dem 1. Jahrhundert nach Christus“, verrät Harald Stadler im Gespräch mit der TT. Mittlerweile wurde sogar ein drittes Objekt dieser Art ans Tageslicht befördert.

Hand angelegt wird von der Truppe, der auch Studenten aus Wien und Innsbruck sowie Freiwillige angehören, derzeit an einer markanten Struktur. „Wir graben etwas aus, das aussieht wie ein Op­ferplatz“, berichtet der Institutsleiter. Holzkohlereste und verbrannte Knochen dürften mit Kulthandlungen in Zusammenhang stehen. „Es liegt die Vermutung nahe, dass der See, wenn sich an seinem Rand ein Opferplatz befand, auch selbst in den Kult eingebaut war“, erklärt Stadler.

Bereits vor Jahren waren Strukturen im See mittels Side-Scan-Sonar, einer auf Schall basierenden Technik zur Ortung von Objekten im Wasser oder am Gewässergrund, untersucht worden.

Diese Daten waren nun hilfreich, als es am vergangenen Samstag für ein versiertes Trio in die Tiefe ging. Bei den Tauchgängen von drei Männern der Osttiroler Wasserrettung – zwei von ihnen gingen unter Wasser, einer sicherte – wurde erstmals mittels Metalldetektor gesucht. Man konzentrierte sich dabei auf den Südwesten des Sees, erzählt Stadler.

Sensationen blieben aus, diesmal wurde nichts Wesentliches aus dem Wasser gezogen. Aber eine nicht unspannende, neue Frage tat sich auf: nämlich, ob in römischer Zeit die Uferlinie anders verlief als heute.

An Land begibt sich das Grabungsteam auch in den nächsten beiden Wochen noch intensiv auf Spurensuche. Der Lösung verbleibender, offener Rätsel, auch jener im noch unerforschten Teil des Sees, will man sich in den kommenden Jahren widmen.