Letztes Update am Sa, 20.10.2018 08:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Raumfahrt

Raumsonde BepiColombo: Die lange Reise zum Merkur hat begonnen

Die europäisch-japanische Mission BepiColombo ist zum Planeten Merkur gestartet. Am Samstagfrüh um 3.45 Uhr (MESZ) hob eine Trägerrakete Ariane 5 mit der Sonde an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab.

An Bord ist auch High-Tech aus Österreich.

© EUROPEAN SPACE AGENCYAn Bord ist auch High-Tech aus Österreich.



Kourou/Darmstadt – Die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo ist zum Merkur gestartet. Die Reise dauert sieben Jahre. Die anspruchsvolle Mission soll unter anderem Erkenntnisse zur Entstehung des Sonnensystems liefern.

Die ehrgeizige europäisch-japanische Raumfahrtmission zum Merkur ist angelaufen: Eine europäische Trägerrakete Ariane 5 startete am Samstag um 3.35 Uhr (MESZ) mit der Raumsonde BepiColombo an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Sowohl am Weltraumbahnhof als auch im Kontrollzentrum in Darmstadt (ESOC) war der Start der Mission mit Spannung verfolgt worden.

„Ich bin erleichtert“, sagte der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Johann-Dietrich Wörner, in Kourou, unmittelbar nach dem Start. „Wenn man ehrlich ist, haben wir jetzt erst einen ganz kleinen Schritt geschafft. Es ist die erste Stunde von sieben Jahren.“

Reise erst am Anfang

Die Reise der 6,40 Meter hohen und 4,1 Tonnen schweren Raumsonde stehe erst am Anfang. Laut Berechnungen der Europäischen Weltraumorganisation Esa erreicht die Sonde mit ihren beiden Satelliten den Merkur im Dezember 2025. Bis dahin müssen Forscher von der Erde aus wiederholt eingreifen. In den kommenden Tagen überwachen etwa 80 Fachleute bei im Kontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt die Mission. Esa-Chef Johann-Dietrich Wörner bezifferte die Gesamtkosten der Mission inklusive Entwicklung und Betrieb auf rund zwei Milliarden Euro. Davon trägt die Esa 1,5 Milliarden Euro.

Mitte Dezember wird die Spannung erneut steigen. Dann kommen erstmals die Ionen-Triebwerke der Sonde zum Einsatz. Sollten sie nicht funktionieren, könnte die Mission scheitern. Die Raumsonde muss neun Mal Planeten – ein Mal die Erde, zwei Mal die Venus und sechs Mal den Merkur – passieren, vor allem zum Entschleunigen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die Sonne fliegen. Das heißt, wir müssen die ganze Zeit bremsen“, sagte Esa-Chef Wörner. Jeder Vorbeiflug an einem Planeten brauche intensive Vorbereitung.

Namensgeber der Mission ist der italienische Mathematiker Bepi Colombo (1920-1984), der Grundlagen für eine Flugbahn zum Merkur berechnet hatte. Verläuft die Mission wie vorgesehen, trennen sich am Ziel zwei Satelliten von der Sonde und erforschen den Merkur auf unterschiedlichen Umlaufbahnen. Der Esa-Satellit MPO (Mercury Planetary Orbiter), auch „Bepi“ genannt, soll die Oberfläche untersuchen. Der japanische Satellit MMO (Mercury Magnetospheric Orbiter) – oder „Mio“ – nimmt das Magnetfeld des Planeten ins Visier. Er soll nach etwa 3,5 Jahren auf dem Merkur zerschellen.

High-Tech aus Österreich an Bord

An Bord des europäischen Satelliten sind elf Kameras und Instrumente. An vier davon sind deutsche Forschungseinrichtungen beteiligt. Dazu zählt der Infrarotspektrometer Mertis aus Münster. Er soll die Oberfläche des Merkur erkunden und dazu beitragen, den Ursprung unseres Sonnensystems zu verstehen. Ein Jahr ist für die Forschung mindestens vorgesehen, „Bepi“ könnte aber bis zu vier Jahre arbeiten. Dann werde das Gerät voraussichtlich verglühen, so die Esa.

An Bord ist auch High-Tech aus Österreich. So sorgt etwa Weltraumtechnik „made in Austria“ für den Hitzeschutz. „Merkur ist der sonnennächste Planet, daher muss die Sonde extreme Hitze über 450 Grad aushalten“, teilte Max Kowatsch, Geschäftsführer der Ruag Space Austria im Vorfeld des Missions-Starts mit. Die am niederösterreichischen Ruag-Standort in Berndorf hergestellte Thermalisolation schützt die Sonde vor den extremen Temperaturen.

Bisher haben nur zwei US-Sonden den sonnennächsten Planeten erkundet: „Mariner 10“ in den 1970er Jahren und die Sonde „Messenger“, die 2011 in eine Umlaufbahn um den Planeten eintrat. Die steinige Oberfläche des Merkur ist - ähnlich wie die unseres Mondes - von Kratern übersät. Die Temperaturunterschiede auf dem Planeten sind extrem. Am Tag werden mehr als 400 Grad erreicht, in der Nacht herrscht Kälte bis etwa minus 180 Grad. (APA/dpa)