Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.10.2018


Wissen

Dokumente aus düsteren Zeiten

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© Otter



Kufstein – „Wie war das damals während des Ersten Weltkriegs in Kufstein?“ – Dieser Frage ist der Pädagoge Dietmar Wieser nachgegangen und hat auch alte Bilder aus dieser Zeit zusammengetragen und recherchiert. Dabei habe er zu den Fotos die Geschichte bzw. umgekehrt gesucht. Entstanden ist eine Broschüre mit 45 Kapiteln, die in eine Zeit „voller Entbehrungen und Not zurückführt“, wie Wieser erzählt. „Es geht um die Menschen, die betroffen waren, entweder als Soldaten, Frauen, Witwen oder Waisen, aber auch Kriegsgefangene und Verletzt­e“, sagt Wieser.

Kufstein war bezüglich der Versorgungslage der Zivilbevölkerung ganz besonders schlecht dran. So sehr, dass es sogar zu Demonstrationen von Frauen vor der damaligen Bezirkshauptmannschaft kam, wie er alten Zeitungsausschnitten entnommen habe.

Es geht großteils um Kufsteiner, aber Wieser widmet ein Kapitel auch dem gebürtigen Ellmauer Matthias Ortner, der als Feldpater bei Freund und Feind gleichermaßen ansgesehen war. Ortner ist u. a. auch ein Mitinitiator der Gelöbniswallfahrt des Kameradschaftsbundes nach Mariastein.

Auch wenn der Kufsteiner Pädagoge und Heimatforscher hauptsächlich den Krieg in den Mittelpunkt stellt, macht er auch einen Blick vor dessen Ausbruch und die Folgen des Weltbrandes. So widmet er sich u. a. dem Verhältnis der Festungsstädter zum Kaiser oder den Jahren nach dem Friedensschluss, als es darum ging, Anschluss an Deutschland zu fordern.

Am Samstag, den 10. November, zeigt Wieser bei einem Multimedia-Vortrag Bilder aus dieser Zeit, hier kann man auch die Broschüre erwerben. Beginn ist um 19.30 Uhr im Kultur Quartier Kufstein. (wo)