Letztes Update am Mo, 19.11.2018 17:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Forschung

Autismus-Mutation brennt Erinnerung massiv ins Gehirn

Eine Genveränderung, die bei Patienten mit geistiger Behinderung und Autismus auftritt, macht das Gehirn im Mausmodell unflexibel.

© Symbolbild.



Wien – Eine Veränderung im Gen „SETD5“ verursacht bei Menschen Autismus und geistige Behinderung. Sie bewirkt Entwicklungsstörungen und führt dazu, dass Erinnerungen tief ins Gehirn eingeprägt werden und kaum überschreibbar sind, fanden Forscher des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg mit Kollegen bei Mäusen heraus. Die Studie erschien im Fachjournal Nature Neuroscience.

Ein Team um Gaia Novarino vom IST Austria und Kyung-Min Noh vom Europäischem Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg (Deutschland) erzeugte bei Mäusen jene Mutation im SETD5-Gen, die bei einem Prozent der Patienten mit Autismus-Störung und geistiger Behinderung auftritt. SETD5 reguliert andere Gene, wenn Signale beim Lernen und der Bildung von Erinnerungen eingeordnet werden, erklären die Forscher. Sie beobachteten, dass die Erinnerungen bei Mäusen mit einer SETD5 Mutation sehr stark und kaum überschreibbar sind. „Das könnte das Gehirn unflexibel machen und dazu führen, dass sich die Mäuse nicht so leicht an neue Situationen anpassen können“, so Novarino in einer Aussendung.

Auch in der Frühentwicklung der Nager sei dieses Gen wichtig. Es bestimmt nämlich mit, welche verschiedenen Gewebe aus unreifen Zellen gebildet werden. „Das ist der Grund für das Auftreten von Entwicklungsstörungen durch eine SETD5-Mutation“, schrieben die Forscher.

Bei den mutierten Mäusen war zwar das Verhalten verändert, aber nicht die Gehirnstruktur. Dies gäbe Grund zur Hoffnung, dass eine erfolgreiche Behandlung von Patienten mit SETD5-Mutationen möglich wäre, meint Novarino. (APA)