Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Bezirk Landeck

St. Anton auf den Spuren der Knappen in Gand

Am 21. September öffnet die neue Schaubergwerksanlage im St. Antoner Ortsteil Gand. Seit dem 14. Jhd. wurde dort nach Erzen geschürft.

Ein Rundwanderweg mit drei Stationen informiert über den Bergbau in St. Anton.

© Bergbau GandEin Rundwanderweg mit drei Stationen informiert über den Bergbau in St. Anton.



Von Matthias Reichle

St. Anton – Fahl- und Silbererze, Pyrit und Kupferkies, vor allem aber der hohe Quecksilberanteil dürfte die Bergleute gelockt haben. „Er lag zwischen 15 bis 20 Prozent, das ist einzigartig in unseren Breitengraden“, erklärt Geologe Peter Gstrein, der das Bergbauprojekt in Gand wissenschaftlich begleitet hat.

Bereits ab dem 14. Jahrhundert wurde oberhalb des St. Antoner Ortsteils nach Erzen gegraben. Hinweise auf den Bergbau im Stanzertal gehen bis 1358 zurück. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts dürften die Knappen auch in St. Anton tätig gewesen sein. Die Bergwerksanlagen lagen damals zwischen 1280 und 1500 Mete­r Seehöhe.

Besucher können bis zu einem Stollen vorstoßen.
Besucher können bis zu einem Stollen vorstoßen.
- Bergbau Gand

Dass man auf die Geschichte des Bergbaus in Gand und das weitverzweigte Stollensystem gestoßen ist, verdankt man dem verstorbenen Hobbyarchäologen Markus Kaser, den die Suche nach den alten Anlagen nicht mehr losließ.

Nach langer Pause soll das Abbaugebiet nun wieder geöffnet werden – allerdings nicht, um Bergbau zu betreiben, sondern um sie historisch interessierten Besuchern vorzustellen.

Offizieller Termin ist am 21. September mit einem Tag der offenen Tür. „Das Projekt ist nicht ganz fertig. Noch wird gearbeitet“, betont Gemeinde­mitarbeiter Manuel Matt. Es gibt einen neuen, 750 Meter langen Rundwanderweg mit Informationstafeln mit zwei Stollen – dem Markus-Stollen und dem Stollen beim Knappenloch –, sowie drei Gebäude, in denen erklärt wird, wie das Erz damals aufgearbeitet wurde. Umgesetzt wurde das Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde und Tourismusverband im Rahmen des Leader- und Interregprogramms mit der Südtiroler Gemeinde Laas.

Vor dem Knappen- und Markus-Stollen wurden nun lange Holzzimmerungen errichtet, durch die die Besucher künftig bis in die Anlagen vordringen können. Bei einem Stollen ist zudem geplant, dass er künftig auch mit einem Führer besucht werden kann. Bis zum kommenden Frühjahr hofft man hierfür die Genehmigung zu bekommen. „Es ist ein Stück Heimatgeschichte“, betont auch Bürgermeister Helmut Mall, den das Thema ebenfalls fasziniert. Noch sind nicht alle Geheimnisse des Bergbaus in St. Anton entdeckt. Im Berg soll es Kavernen geben, die so groß sind, dass die St. Jakober Kirche darin Platz finden würde, heißt es.