Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.10.2019


Innsbruck-Land

Dorf aus der Bronzezeit bei Bauarbeiten in Telfs entdeckt

Bei Bauarbeiten in Telfs kamen Überbleibsel der bislang ältesten Ansiedlung auf Telfer Boden zum Vorschein.

Dieses Mauerfundament ist nur ein Teil der spektakulären Entdeckung in Telfs: Insgesamt haben die Archäologen bisher an über 50 Geländepunkten Spuren entdeckt, die auf bronzezeitliche Hütten hindeuten.

© MG Telfs/DietrichDieses Mauerfundament ist nur ein Teil der spektakulären Entdeckung in Telfs: Insgesamt haben die Archäologen bisher an über 50 Geländepunkten Spuren entdeckt, die auf bronzezeitliche Hütten hindeuten.



Telfs – Eine aufsehenerregende Entdeckung bei Bauarbeiten bringt jetzt neues Licht in die Frühgeschichte von Telfs: Im nördlichen Teil der Pfarrer-Gritsch-Straße graben Archäologen seit Kurzem die Überreste spätbronzezeitlicher Häuser aus, die vor rund 3000 Jahren den „Ur-Telfern“ als Wohnstätten dienten.

Die Überbleibsel aus der Vorzeit kamen bei Aushubarbeiten für ein Wohnbauprojekt der Firma Hütter zutage. Im Auftrag des Denkmalamtes Tirol begleitete ein Archäologe die Arbeiten in diesem „fundverdächtigen“ Gelände. Und der Fachmann schlug schon nach den ersten Baggeraktivitäten Alarm. Man startete eine Rettungsgrabung, die insgesamt vier bis fünf Wochen dauern wird.

Bisher sind auf dem 2300 Quadratmeter großen Areal an mehr als 50 Geländepunkten Steinsetzungen, Pfostenlöcher und Gruben identifiziert worden, die auf mehrere bronzezeitliche Hütten hindeuten. „Eine derartige Dichte habe ich bisher noch kaum irgendwo gesehen“, sagte Grabungsleiter Christoph Faller von der Archäologie-Firma Ardis.

Eindrucksvoll ist das freigelegte Fundament einer Steinummauerung, die einst vielleicht den Wohnbereich einer höhergestellten Person abgrenzte. Ansonsten wirken die von den Archäologen identifizierten kleinen Steinansammlungen und anderen Fundsituationen auf den ersten Blick zwar eher unscheinbar – sie haben es aber dennoch in sich: Mit ihnen wird es nach Abschluss der Grabungsarbeiten möglich sein, das 3000 Jahre alte Dorf zu rekonstruieren. Es stellt die älteste bisher bekannte Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Telfs dar und war möglicherweise eine Art Keimzelle der Marktgemeinde.

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Die prähistorischen Häuserreste liegen nur rund 250 Meter Luftlinie vom Ematbödele und der Weinbergsiedlung entfernt, wo bereits vor Jahrzehnten Urnengräber freigelegt worden waren. Da diese ebenfalls aus der Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit) stammen, darf man vermuten, dass das jetzt gefundene Dorf die lang gesuchte Siedlung sein könnte, zu der dieser Friedhof gehörte.

Kleinfunde kamen bisher eher spärlich zutage. Die Archäologen bargen Keramikscherben, mit denen sich eine erste grobe Datierung vornehmen ließ, Tierknochen und eine verzierte Gewandnadel aus Bronze. Weitere Objekte könnten auftauchen, wenn in den nächsten Wochen die erwähnten Steinsetzungen und Gruben genauer unter die Lupe genommen werden. (TT)




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