Letztes Update am Mo, 14.08.2017 06:56

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Migration

Italiens Außenminister wirft EU Versagen in Flüchtlingspolitik vor

Italien kann laut Außenminister Alfano die Last der ankommenden Migranten nicht mehr alleine stemmen. Die Verteilung in andere EU-Länder funktioniere „Überhaupt nicht“.

Aussenminster Sebastian Kurz (r.) und der italienische Außenminister Angelino Alfano.

© APAAussenminster Sebastian Kurz (r.) und der italienische Außenminister Angelino Alfano.



Berlin – Der italienische Außenminister Angelino Alfano hat den EU-Staaten Versagen im Umgang mit der Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer vorgeworfen. Auf die Frage, ob sich Italien von Europa im Stich gelassen fühle, entgegnete Alfano in einem Interview mit der Bild-Zeitung (Montag): „Ein ganz klares Ja!“ Die Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten „funktioniert überhaupt nicht“, kritisierte er.

Das bedeutet, dass die Flüchtlinge in Italien bleiben“, sagte Alfano. Sein Land könne aber „diese Last nicht alleine verkraften“. Alfano vermisst nach eigenen Worten eine gemeinsame europäische Migrationspolitik, die sich der ankommenden Bootsflüchtlinge annimmt.

Stabilität in Libyen

Alfano rechnet nach eigenen Angaben bis Ende des Jahres mit mehr als 200.000 Menschen, die über die Mittelmeerroute nach Europa kommen. Dies sei ein Ausmaß, „das für uns sehr schwierig ist“, sagte er. „Weitere Hunderttausende Menschen warten in Libyen auf die gefährliche Überfahrt, die häufig tödlich endet.“

Der italienische Minister forderte weitere Bemühungen zur Stabilisierung Libyens, von wo aus viele Bootsflüchtlinge Richtung Italien in See stechen: „Die Vereinten Nationen sollten sich intensiver dafür einsetzen, die Regierung in Tripolis zu unterstützen.“ Ziel sei es, „humanitäre Flüchtlingsunterkünfte“ in Libyen zu schaffen.

„Dazu müssen wir erreichen, dass das Land endlich politisch geeinigt und damit wieder stabil wird“, sagte Alfano. Auf die Frage, ob es am Ende auch eine UNO-Blauhelmmission in Libyen geben könne, sagte er: „Wir sollten den neuen Sondergesandten der UNO jetzt Vorschläge erarbeiten lassen.“ (APA/AFP)