Letztes Update am Mo, 09.10.2017 16:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Südtirol

Tod von Flüchtlingsbub löste Betroffenheit in Südtirol aus

Der kranke 13-Jährige stürzte aus seinem Rollstuhl und verstarb im Krankenhaus. Zuvor hatte die Familie vergeblich um eine Unterbringung angesucht.

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Bozen – Der Tod eines im Rollstuhl sitzenden 13-jährigen Flüchtlingsbuben aus dem Irak hat in Südtirol Betroffenheit ausgelöst. Der an Muskeldystrophie leidende Bub stürzte aus seinem Rollstuhl und verstarb daraufhin im Bozner Krankenhaus. Zuvor hatte sich die Familie des 13-Jährigen vergeblich um eine Unterbringung bemüht. LH Arno Kompatscher (SVP) kündigte indes eine Aufklärung des Falles an.

Die Familie - der Bub, seine Eltern sowie drei Geschwister - war am 1. Oktober in Südtirol angekommen, nachdem zuvor ihr Asylantrag in Schweden abgelehnt worden war. Die erste Nacht verbrachte man im Bahnhofspark. Tags darauf wandte sich die Familie laut einem Bericht der Tageszeitung Dolomiten (Montag-Ausgabe) an die Flüchtlingsberatung der Caritas und an den Verein Volontarius. Vom Dienst für soziale Integration des Sozialdienstes wurde der Familie jedoch beschieden, dass man sie nicht unterbringen könne. Man verwies auf ein Rundschreiben des Landes, wonach die zeitweilige Aufnahme von Flüchtlingen als „Schutzbedürftige“ stark eingeschränkt wurde.

Nach einer vorübergehenden Aufnahme im Bozner Krankenhaus stand der an Atemnot leidende 13-Jährige mit seiner Familie ab Mittwoch tagsüber wieder auf der Straße. Dank des Einsatzes von Sozialvereinen konnten die Flüchtlinge dann in Gastzimmern und in einer Kirche untergebracht werden. Erneut bemühte sich die Flüchtlingsberatung der Caritas laut dem Bericht bei Sozialdiensten, Regierungskommissariat und Land um die Unterbringung der Familie und wies auf deren Schutzbedürftigkeit hin - jedoch ohne Erfolg.

Am Freitag stürzte der Bub dann aus einem Rollstuhl. Er musste erneut ins Krankenhaus, wo er in der Nacht auf Sonntag starb. Eine Autopsie soll nun die Todesursache klären, hieß es seitens des Landes. Die Landesregierung kündigte eine Aufarbeitung des tragischen Todesfalles an. „Wir werden - gemeinsam mit der Gemeinde, dem Regierungskommissariat und dem Sanitätsbetrieb - umgehend alle notwendigen Untersuchungen einleiten, um den Ursachen und Umständen auf den Grund zu gehen“, erklärten Landeshauptmann Kompatscher und Soziallandesrätin Martha Stocker (SVP). (APA)