Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Innsbruck

Innenstadt wegen EU-Gipfel gesperrt: ,,Uns fehlt die Gassiwiese“

Der Auftakt des EU-Innen- und -Justizminister-Treffens ging reibungslos über die Bühne. Das Verkehrschaos blieb aus, die Platzsperre am Adolf-Pichler-Platz sorgte allerdings für Geschäftseinbußen.

© LIEBL DANIELIn der Stainerstraße parkten nur Moped und Polizeiautos.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Sperrgitter links, Sperrgitter rechts, dazwischen gähnende Leere. Zumindest fast – nur ein paar Polizisten überwachen das Platzverbot am südöstlichen Adolf-Pichler-Platz, auf den sonst stets besetzten Parkplätzen stehen lediglich einige Streifenfahrzeuge. „Klar spüren wir das, wir hatten am Vormittag sicher um 30 bis 40 Prozent weniger Kunden“, sagt Christoph vom gleichnamigen Bioladen an der (frei zugänglichen) Ecke zur Colingasse: „Die Leute rufen an und wollen wissen, wo sie zum Einladen parken können, aber es sind durch die Sperre keine Parkplätze frei.“ Christoph nimmt’s mit Galgenhumor: „Kein Nachteil ohne Vorteil. So hab’ ich halt weniger Arbeit.“

Auch beim benachbarten Frisör rufen Kunden an und erkundigen sich über die Parkplatzsituation. „Außerdem fehlt uns die Gassiwiese für die Hunde, die liegt im Sperrgebiet“, beklagt sich augenzwinkernd ein Mitarbeiter.

Polizisten und Sperrblöcke.
- Thomas Boehm / TT

Die Straßensperren überraschen auch immer wieder Autofahrer, die in die Stainerstraße in Richtung Adolf-Pichler-Platz einbiegen wollen. Durchaus freundlich erklären die Polizisten, dass es hier kein Durchkommen für Fahrzeuge gibt (für Fußgänger schon, die Gehsteige sind passierbar). Für die Pkw-Lenker geht es nur im Retourgang weiter. Nicht wenige setzen ihren Weg trotz Fahrverbots über den Markt- und Burggraben fort. Und das meist ungestraft – die zahlreichen Polizisten, die durch die Innenstadt patrouillieren oder Kreuzungen überwachen, haben offenbar andere Aufgaben. Dazu zählte am Mittwochabend die Überwachung eines weiteren Platzverbots am Bergisel, das kurzfristig bekannt gegeben wurde. Der Grund sei ein Willkommensempfang des Innenministeriums, erklärte Polizei-Pressechef Manfred Dummer: „Wir haben das bewusst erst jetzt bekannt gegeben. Wir wollten nicht, dass Störenfriede auf die Veranstaltung aufmerksam werden.“ Apropos Störenfriede – bei den Grenzkontrollen seien nach wie vor keine gewaltbereiten Demonstranten zurückgewiesen worden, sagt Dummer.

Bei den Einheimischen schwankt die Stimmung hingegen zwischen genervt und desinteressiert. „Ich brauch’ den Gipfel nicht, aber tangiert hat er mich bislang auch nicht. Stau gab’s keinen, das ist das Wichtigste“, sagt ein Autofahrer.

Für eine Passantin ist das EU-Treffen inklusive Polizei-Großaufgebot ohnehin „nur Theater, wer will denn schon ein paar Innenministern etwas tun?“ Und beim Treffen gehe es eh nur um das Flüchtlingsthema, „obwohl fast keine mehr kommen“.

Ein Pensionist fühlt sich angesichts der vielen Uniformen in der Innenstadt an den Krieg erinnert: „Ich möchte nicht wissen, was das alles wieder kostet. Aber wenigstens sind die Beamten freundlich.“

Ein deutscher Tourist freut sich hingegen über die vielen Polizeibeamten in der Innenstadt: „So sicher wie jetzt in Innsbruck habe ich mich im Urlaub noch nie gefühlt“, schmunzelt er.