Letztes Update am Sa, 06.10.2018 20:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Solidaritätsdemo für festgenommenen Bürgermeister in Süditalien

„Solidarität kann man nicht verhaften“, lautete der Slogan der Demonstranten. Der Bürgermeister Mimmo Lucano gilt als Symbol für Toleranz und nahm in seinem Dorf Hunderte Migranten auf.

Am 2. Oktober war Lucano festgenommen worden.

© imago stock&peopleAm 2. Oktober war Lucano festgenommen worden.



Rom – Rund 4000 Menschen haben am Samstagnachmittag im süditalienischen Riace gegen die Festnahme des Bürgermeister des Ortes Mimmo Lucano wegen Begünstigung illegaler Einwanderung protestiert. Die Solidaritäts-Demonstration fand vor dem Haus des festgenommenen Bürgermeisters, der als Symbol der gelungenen Integration von Migranten gilt, statt.

Spitzenpolitiker der Linken beteiligten sich

An der Demonstration beteiligten sich Spitzenpolitiker der italienischen Linken, darunter die frühere Parlamentspräsidentin Laura Boldrini. Der Anti-Mafia-Schriftsteller und Aktivist für die Migrantenrechte, Roberto Saviano, veröffentlichte eine Solidaritätsbotschaft für Lucano. Dieser zeigte sich am Fenster der Wohnung, in der er sich seit Dienstag unter Hausarrest befindet und dankte für die Solidarität der Demonstranten.

Auch in Mailand fand am Samstagnachmittag eine Kundgebung für Lucano statt, berichteten italienische Medien. „Solidarität kann man nicht verhaften“, lautete der Slogan der Demonstranten. Lucano, seit 2004 Bürgermeister von Riace in Kalabrien, hatte sein Dorf zur Heimat der Flüchtlinge erklärt. Dutzende verzweifelte Menschen auf der Flucht vor Krieg und Not, die in den vergangenen Jahren auf Lampedusa und Sizilien gestrandet waren, fanden in Riace Unterkunft. Die Gemeinde stellt den Migranten Häuser zur Verfügung, die seit der massiven Abwanderung aus Riace nach Norditalien in den vergangenen Jahrzehnten leer standen. Für die Integration der Flüchtlinge leitete der Bürgermeister eine Reihe von Initiativen in die Wege, die das alte Dorf wiederbelebt, das lokale Handwerk gefördert und die Rückkehr zur Landwirtschaft ermöglicht haben.

"Solidarität kann man nicht verhaften" lautete der Slogan tausender Demonstranten.
"Solidarität kann man nicht verhaften" lautete der Slogan tausender Demonstranten.
- imago stock&people

Lucanos Schwierigkeiten begannen im vergangenen Jahr, als die Polizei von Reggio Calabria eine Kontrolle in seiner Gemeinde anordnete. Festgestellt wurden Unregelmäßigkeiten im Umgang mit öffentlichen Geldern für die Versorgung der in der Gemeinde untergebrachten Migranten. Daraufhin wurde eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft der Stadt Locri eingeleitet, die zur Festnahme des Bürgermeisters führte. In Italien regiert seit Juni eine Koalition aus rechtspopulistischer Lega und Fünf-Sterne-Protestbewegung, die einen harten Anti-Migrations-Kurs fährt. (APA)