Letztes Update am Do, 08.11.2018 19:56

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katalonien

Mann wegen Morddrohung gegen Spaniens Regierungschef festgenommen

Der 63-jährige Waffennarr wollte Sanchez wegen der geplanten Exhumierung des ehemaligen spanischen Diktators Francisco Franco umbringen.

© ReutersDer spanische Premier Pedro Sanchez.



Barcelona/Madrid – Die Polizei in Katalonien hat einen Waffennarr wegen Morddrohungen gegen Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez inhaftiert. Der Mann sei bereits im September in der Stadt Terrassa festgenommen worden, erklärte die Polizei am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der 63-Jährige habe Sanchez wegen der geplanten Exhumierung des ehemaligen spanischen Diktators Francisco Franco umbringen wollen, sagte Polizeisprecher Albert Oliva vor Journalisten.

16 Waffen gefunden

Der Mann besaß demnach „insgesamt 16 Waffen“, darunter Scharfschützengewehre und Maschinenpistolen. Der Verdächtige befinde sich derzeit in Haft und habe „die klare Absicht gehabt, Maßnahmen gegen den Ministerpräsidenten zu ergreifen“, sagte Oliva. Ihm habe lediglich logistische Unterstützung gefehlt. Über Internet-Plattformen und Messenger-Dienste habe der Mann um Unterstützung gebeten, damit er „ein Opfer für Spanien“ bringen könne.

Kataloniens Oberstes Gericht erklärte, der Waffenbesitzer werde der „Verschwörung zu einem bewaffneten Angriff gegen die Obrigkeit“ verdächtigt. Spaniens Regierung teilte mit, die Sicherheit des Regierungschefs sei nie gefährdet gewesen. „Wir gehen von einem Einzelfall aus“, sagte Regierungssprecherin Isabel Celaa und rief zu „Gelassenheit und Umsicht“ auf.

Rechtsradikale Kleinstpartei um Hilfe gebeten

Aus einer vom obersten Gericht veröffentlichten Gerichtsentscheidung geht hervor, dass der Verdächtige ein Mitglied von Spaniens rechtsradikaler Kleinstpartei Vox per WhatsApp um Hilfe bei dem Mordanschlag gebeten habe. Die Partei erklärte, eine örtliche Koordinatorin habe dann die Behörden alarmiert. Der Verdächtige sei nie Mitglied der Partei gewesen.

Spaniens Regierung hatte im August die Entfernung der sterblichen Überreste des Diktators Franco aus einer Kirche im Valle de los Caidos, dem Tal der Gefallenen, angeordnet. Das 50 Kilometer nördlich von Madrid gelegene Mausoleum Francos, eine monumentale Anlage mit einem 150 Meter hohen Steinkreuz, ist über die Jahre zu einer Pilgerstätte für Rechte und Rechtsextreme in Spanien geworden. (APA/AFP)