Letztes Update am Mo, 06.05.2019 19:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Atomkraftwerk Mochovce

Widerstand Österreichs: Slowakei verschiebt Start neuer Reaktoren

Die Slowakei wird Block 3 und 4 des Atomkraftwerks Mochovce später als geplant in Betrieb nehmen – möglicherweise erst in einem Jahr.

Luftbildaufnahme des Atomkraftwerkes Mochovce in der Slowakei (Archivaufnahme).

© APALuftbildaufnahme des Atomkraftwerkes Mochovce in der Slowakei (Archivaufnahme).



Bratislava, Wien – Die Slowakei verschiebt den Betriebsbeginn des von Österreich kritisierten 3. und 4. Blocks des Atomkraftwerks Mochovce. Das teilte der Generaldirektor der Betreiberfirma Slovenske Elektrarne (SE), Branislav Strycek, am Montag vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments in Bratislava mit.

Die zuletzt für Juni vorgesehene Inbetriebnahme von Block 3 verzögere sich mindestens bis November 2019, möglicherweise sogar bis März 2020, zitierte die Nachrichtenagentur TASR den Firmenchef.

Grund seien nach Stryceks Angaben vor allem erwartete Einsprüche aus Österreich gegen die Betriebsgenehmigung, die das slowakische Atomaufsichtsamt UJD demnächst erteilen sollte. Die Blöcke 3 und 4 des Atomkraftwerks sollten ursprünglich schon 2012 und 2013 in Betrieb gehen.

Kurz freut sich über Verschiebung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßte die Verschiebung am Montag. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir werden allerdings nicht lockerlassen bis alle unsere Sicherheitsbedenken geklärt sind“, betonte der Bundeskanzler.

Atomstrom sei keine nachhaltige, sondern eine gefährliche Form der Energiegewinnung, so Kurz weiter. Hier gehe es um die Sicherheit der Österreicher. „Wir fordern volle Transparenz und Zugang für internationale Inspektoren. Das werde ich mit dem slowakischen Premierminister Peter Pellegrini am Donnerstag in Sibiu auch besprechen“, so Kurz.

Von „einem wichtigen Etappensieg gegen die gefährlichen neuen Reaktoren 3 und 4 in Mochovce“, sagte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Montagabend in einer ersten Reaktion.

„Das zeigt, dass es sich auszahlt, wenn man Druck macht und dran bleibt“, so Köstinger, die vor wenigen Wochen auch direkte Gespräche mit ihrem slowakischen Amtskollegen Peter Ziga geführt hatte. „Wir werden weiter gegen die Inbetriebnahme dieser Reaktoren kämpfen. Eine Überprüfung der Sicherheitsmängel durch internationale Inspektoren der IAEA ist weiterhin eine sinnvolle Option“, betonte die Umweltministerin.

Auch SPÖ erfreut

„Das ist ein erster wichtiger Teilerfolg für die Sicherheit Österreichs“, erklärte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. „Wir müssen für die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung jedoch weiterkämpfen – diese hat oberste Priorität. Das darf keine Sache von Parteipolitik sein und ich stehe dafür, dass es in dieser Frage einen nationalen Schulterschluss aller Parteien gibt“, so die SPÖ-Vorsitzende. Dieser Teilerfolg zeige, was möglich sei, wenn alle Parteien an einem Strang ziehen und die Sicherheit der Österreicher parteipolitischem Kleingeld vorziehen würden. (APA/dpa)