Letztes Update am Mi, 19.06.2019 20:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien

Rennen um May-Nachfolge: Johnson baut Vorsprung aus, Stewart ist raus

Boris Johnson hat seinen Vorsprung ausgebaut, Außenminister Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove und Innenminister Sajid Javid rittern um Platz zwei bei der Nachfolge von Theresa May als Parteichefin. Nicht mehr im Rennen ist Entwicklungshilfeminister Rory Stewart. Weitere Abstimmungen wird es am Donnerstag geben.

Der ehemalige Londoner Bürgermeister und Außenminister Boris Johnson erhielt am Mittwoch 143 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.

© AFPDer ehemalige Londoner Bürgermeister und Außenminister Boris Johnson erhielt am Mittwoch 143 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.



London – Im Rennen um das Amt des konservativen Parteichefs und künftigen britischen Premierministers hat Boris Johnson seinen Vorsprung erneut ausgebaut. Der ehemalige Londoner Bürgermeister und Außenminister erhielt am Mittwoch 143 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.

Ebenfalls eine Runde weiter sind Außenminister Jeremy Hunt (54 Stimmen), Umweltminister Michael Gove (51) sowie Innenminister Sajid Javid (38). Nicht mehr im Rennen ist dagegen Entwicklungshilfeminister Rory Stewart, der nur 27 Stimmen erhielt und damit hinter sein Ergebnis aus der zweiten Runde zurückfiel.

Johnson erhielt damit genauso viele Stimmen wie die drei übrig gebliebenen Bewerber zusammen (143:143). Donnerstag soll in zwei weiteren Wahlgängen die Anzahl der Bewerber auf zwei reduziert werden. In einer Stichwahl haben dann die 160.000 Parteimitglieder das letzte Wort. Johnson gilt als gesetzt. Die Frage ist, wer letztlich gegen ihn antritt. Bis Ende Juli soll der neue britische Regierungschef feststehen.

Rory Stewart erhielt nur 27 Stimmen und fiel damit hinter sein Ergebnis aus der zweiten Runde.
Rory Stewart erhielt nur 27 Stimmen und fiel damit hinter sein Ergebnis aus der zweiten Runde.
- AFP

Johnson will Brexit-Abkommen nachverhandeln

Johnson war einer der Wortführer für den Brexit vor der Volksabstimmung im Jahr 2016. Die Briten hatten sich damals mit knapper Mehrheit für die Trennung von der EU ausgesprochen. Doch der Austritt musste zwei Mal verschoben werden, weil sich im Parlament keine Mehrheit für das von Premierministerin Theresa May mit Brüssel ausgehandelte Brexit-Abkommen fand. Die Frist für die Loslösung von der EU wurde inzwischen bis 31. Oktober verlängert.

Ob Johnson erfolgreicher wäre als May, scheint aber zweifelhaft. Er will das Brexit-Abkommen nachverhandeln. Die EU lehnt das aber kategorisch ab. Einziger Ausweg, um den Austritt trotzdem rechtzeitig zu vollziehen, wäre ein No-Deal-Brexit, auf den viele Johnson-Unterstützer hoffen. Experten rechnen für diesen Fall jedoch mit drastischen Konsequenzen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche. Bei einer TV-Debatte der BBC am Dienstag ließ Johnson jedoch Zweifel daran aufkommen, ob er es ernst meint mit dem No-Deal. Auf die Frage, ob er einen Austritt am 31. Oktober garantieren könne, antwortete er ausweichend.

Johnson ist laut Umfragen unangefochtener Spitzenreiter in der Gunst der Parteibasis. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler zurückzugewinnen, die sich von den Tories abgewendet haben.

Knapp die Hälfte sähe Nigel Farage gern an Tories-Spitze

Ein großer Teil der konservativen Parteimitglieder gilt als Brexit-Hardliner. Knapp die Hälfte sähe sogar den Chef der neuen Brexit-Partei, Nigel Farage, gern an der Spitze der Tories, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigte. Eine Mehrheit der Tory-Mitglieder würden demnach auch eher ein Auseinanderfallen des Vereinigten Königreichs in Kauf nehmen mit Abspaltungen Schottlands (63 Prozent) und Nordirlands (59 Prozent), als den Brexit aufzugeben.

Farage hält eine Zusammenarbeit mit der Konservativen Partei – mit Boris Johnson als Chef – unter bestimmten Umständen für möglich, wie er der Zeitung „The Telegraph“ sagte. Bei der letzten Europawahl war die Brexit-Partei aus dem Stand heraus die erfolgreichste Partei in Großbritannien. (APA/dpa/AFP/Reuters)

Nigel Farage.
Nigel Farage.
- AFP