Letztes Update am Fr, 21.06.2019 20:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien

Für Schottland ist Premier Johnson „Horrorvorstellung“

Andererseits werde eine Wahl Johnsons die schottische Unabhängigkeitsbewegung stärken, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon dem „Spiegel“.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon.

© REUTERSSchottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon.



London – Für die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon ist der frühere britische Außenminister Boris Johnson als Premierminister eine „Horrorvorstellung“. Johnson sei in den Augen der meisten Schotten „vollkommen ungeeignet“, sagte Sturgeon dem Spiegel laut Vorabmeldung vom Freitag.

Andererseits werde eine Wahl Johnsons die schottische Unabhängigkeitsbewegung stärken. Sie sei sich „sicher“, dass es noch vor Ablauf der Legislaturperiode in Schottland ein zweites Unabhängigkeitsreferendum geben werde.

Stichwahl zwischen Johnson und Hunt

Johnson tritt im Rennen um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May gegen den amtierenden Außenminister Jeremy Hunt an. Beim fünften Wahlgang der Tory-Abgeordneten hatte er am Donnerstagabend 160 Stimmen bekommen. Hunt erhielt 77 Stimmen. Umweltminister Michael Gove schied mit 75 Stimmen aus.

Der neue Vorsitzende der Tories soll bis Ende Juli gekürt sein, die Entscheidung treffen nun die 160.000 Parteimitglieder. Er wird dann auch Regierungschef und Nachfolger von Premierministerin May.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Harsche Kritik an Johnson

Sturgeon sagte, Johnson sei einer der Hauptgründe für den dramatischen internationalen Ansehensverlust des Vereinigten Königreichs. Johnson habe „als Außenminister seine Inkompetenz und seine mangelnde Redlichkeit eindrucksvoll zur Schau gestellt“, sagte die 48-Jährige dem Spiegel.

„Er hat Schwule beleidigt. Er hat muslimische Frauen lächerlich gemacht. Die meisten dürften Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, wie so jemand als Premierminister Menschen miteinander versöhnen will“, sagte Sturgeon.

Die Regierungschefin und Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) ließ offen, ob sie nach dem Vorbild Kataloniens gegen den Willen der britischen Regierung ein Unabhängigkeitsreferendum abhalten würde. Aber jeder neue Premierminister müsse sich im Klaren darüber sein, wie „illegitim und undemokratisch“ es wäre, den Schotten die Abstimmung darüber zu verweigern, sagte Sturgeon. Sie sei sich im Übrigen sicher, dass die EU Schottland trotz eines erheblichen Haushaltsdefizits „mit offenen Armen empfangen“ würde. (APA/AFP)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Als "total kaputt" bezeichnete Premier Boris Johnson das britische Parlament nach der Abstimmung am Dienstag.Brexit
Brexit

Parlament erzwingt Brexit-Pause, Neuwahl für Johnson wohl einziger Weg

Sieg und Niederlage für den britischen Premier: Das Parlament stimmt zum ersten Mal für einen Brexit-Deal, verweigert aber den beschleunigten Zeitplan. Johns ...

brexit2017
Boris Johnsons Vorhaben, den Austritt bis Ende des Monats vollzogen zu haben, steht auf der Kippe.Brexit-Drama
Brexit-Drama

Johnson droht offen damit, Brexit-Gesetz zurückzuziehen

Der Zeitplan vor dem geplanten Brexit am 31. Oktober wird immer enger. Premier Johnson erhöht den Druck auf das Parlament und droht offen damit, seinen Brexi ...

brexit2017
DUP-Chefin Arlene Foster sprach am Montag von einem „sehr traurigen Tag“ und von einem „Affront gegen Menschenwürde und Menschenleben“.Menschenrechte
Menschenrechte

Homo-Ehe und Abtreibungen in Nordirland legalisiert

Das britische Unterhaus hat bereits im Juli beschlossen, Abtreibungen und die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren zu erlauben. Nun trat der Beschluss in Kr ...

Am Montage ist die Regierung von Premierminister Boris Johnson mit dem Versuch gescheitert, das neue Brexit-Abkommen mit der EU durch das Parlament zu bringen.Großbritannien
Großbritannien

Brexit: Ein Vertrag, 535 Seiten und eine unendliche Geschichte

Der Vertrag mit mehr als 500 Seiten soll den geregelten EU-Austritt Großbritanniens garantieren. Dabei geht es auch um Bürgerrechte, Finanzverpflichtungen un ...

Parlamentspräsident John Bercow widersprach dem Wunsch der britischen Regierung.Brexit-Drama
Brexit-Drama

Unterhaus darf heute nicht über Brexit-Deal abstimmen

Die Entscheidung des britischen Unterhauses über den neuen Brexit-Deal von Premierminister Boris Johnson verzögert sich weiter. Parlamentspräsident John Berc ...

brexit2017
Weitere Artikel aus der Kategorie »