Letztes Update am Mi, 03.07.2019 16:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sea-Watch

Kapitänin Rackete an geheimen Ort gebracht, Ausweisung wurde verweigert

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist nach Angaben eines Sprechers in ein Versteck gebracht worden. Es soll Drohungen gegen sie gegeben haben. Seit Dienstagabend ist die 31-Jährige auf freiem Fuß. Ihre Ausweisung, die Italiens Innenminister forderte, wurde von der Staatsanwaltschaft verweigert.

Demonstranten bei einer Kundgebung zur Haftentlassung von Carola Rackete am Dienstag in Wien.

© APA/PunzDemonstranten bei einer Kundgebung zur Haftentlassung von Carola Rackete am Dienstag in Wien.



Rom – Die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist nach der Entscheidung einer Untersuchungsrichterin auf Sizilien frei, darf Italien aber vorerst nicht verlassen. Obwohl der italienische Innenminister Matteo Salvini die Ausweisung der Kapitänin urgiert, stemmen sich die Staatsanwälte dagegen.

Die Staatsanwaltschaft von Palermo verweigerte am Mittwoch die Ausweisung Racketes, die der Präfekt von Agrigent zuvor auf Druck des italienischen Innenministeriums angeordnet hatte. Die 31-jährige Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea Watch 3“ muss demnach bis zum 9. Juli in Italien bleiben. An diesem Tag soll sie im sizilianischen Agrigent von den Staatsanwälten befragt werden, die gegen sie wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermitteln.

Aus Sicherheitsgründen abgetaucht

Unterdessen ist Rackete nach Angaben eines Sprechers aus Sicherheitsgründen abgetaucht. „Es gab einige generelle Drohungen gegen Carola“, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch am Mittwoch. „Deshalb haben wir sie an einen geheimen Ort gebracht. Über ihre weiteren Reisepläne werden wir uns nicht äußern.“

Carola Rackete nach ihrer Haftentlassung.
Carola Rackete nach ihrer Haftentlassung.
- AFP

Salvini drängt darauf, dass Rackete sofort nach Deutschland ausgewiesen wird. „Die Justiz müsste uns erklären, ob wir Fräulein Rackete in ein Flugzeug nach Berlin setzen können, oder ob wir sie beim Shoppen in Portofino sehen werden, bis sie das Leben anderer Polizisten gefährden wird“, sagte der Rechtspopulist am Mittwoch gegenüber Journalisten. Den Beschluss einer sizilianischen Untersuchungsrichterin, Rackete aus dem Hausarrest zu entlassen, bezeichnete der Innenminister als „skandalösen Beschluss“.

Salvini sprach sich für eine Reform des Justizsystems in Italien aus, weil zu viele Richter seiner Ansicht nach politisch beeinflusst seien. Es müsse zu neuen Regeln in Sachen Anstellung, Ausbildung und Förderung der Richter kommen.

Die Vertreter mehrerer NGOs, darunter die deutsche Sea Watch, protestierten am Mittwoch gegen einen Beschluss der Regierung, einen im Parlament geplanten Bericht der NGOs gegen die Anti-Migrationsmaßnahmen der Regierung abzusagen. Die Reden der NGO-Vertreter im Parlament wurden abgesagt, nachdem die Haft für Rackete von einer Untersuchungsrichterin aufgehoben worden war. Die NGOs, darunter die spanische „Proactiva Open Arms“ und die italienische Mediterranea, kündigten an, ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer weiterführen zu wollen und sich dabei an internationale Regeln zu halten.

Trotz Verbots in italienischen Hafen eingelaufen

Rackete war am Samstag mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ mit 40 Migranten an Bord trotz eines Verbots der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa eingelaufen. Bei der Einfahrt in den Hafen konnte nur knapp ein Zusammenstoß des Rettungsschiffs mit einem Patrouillenboot vermieden werden. Die Kapitänin wurde daraufhin festgenommen und auf der sizilianischen Insel unter Hausarrest gestellt. Die „Sea-Watch 3“ wurde beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen. Dies wurde zwar vom Untersuchungsgericht nicht bestätigt, Rackete muss sich nun aber in einem anderen Verfahren dem Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration stellen. (APA/dpa)